mandag 8. mai 2017

Ursachen für den mangelhaften Transfer wissenschaftlicher diagnostischer Erkenntnisse in die Praxis

Ursachen für den mangelhaften Transfer wissenschaftlicher diagnostischer Erkenntnisse in die Praxis

  • häufig eine misslungene Kommunikation als Ursache für unzulängliche Qualitätssicherung
  • für Bereich der Personalentscheidungen erhofft man sich Abhilfe von einer wirtschaftlichen Aufbereitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse
  • aus der Perspektive der Handlungssteuerung ist vor allem das Feedback bedeutsam, das Diagnostiker in der Praxis bekommen oder nicht bekommen
  • darüber hinaus ist zu analysieren ob Wissenschaft und Praxis ihre Entscheidungen an den gleichen Kriterien ausrichten → handlungsleitende explizite sowie implizite Kriterien zu betrachten

das Kommunikationsproblem und seine vermeintliche Überwindung durch eine wirtschaftsorientierte Aufbereitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse

  • like it or not, the language of business is dollars, not coefficients“ → Innovationen im Bereich der Diagnostik sind weniger greifbar als technische Innovationen
  • wissenschaftliche Publikationen, in denen die für den Bereich der Personalentscheidungen relevanten Erkenntnisse aufbereitet werden, sind u.a. geprägt durch statistische Kennwerte (z.b. Effektstärken in Form von Korrelationskoeffzienten) → entsprechen nicht den in der Wirtschaft gebräuchlichen Kennwerten
  • Kosten-Nutzen-Formeln werden zunehmend verfeinert und Parameter einbezogen, und somit die Dynamik des Organisationsgeschehens berücksichtigt
  • Kosten spielen bei der Entscheidung für ein Personalauswahlverfahren nur eine untergeordnete Rolle → Kosten-Nutzen-Analysen zeigen anhand von konkreten Beispielen auf, welchen enormen Vorteil es mit sich bringt, valide Personalauswahlverfahren einzusetzen → die Entscheidungen der Praktiker bleiben davon aber weitestgehend unbeeinflusst

Handlungstheoretische Einbettung: die Bedeutung des (fehlenden) Feedbacks

  • es stellt sich die Frage, ob in der Praxis überhaupt ein Qualitätsmangel wahrgenommen wird und somit ein Veränderungsbedürfnis besteht → wichtig ist ein Feedback über die Diskrepanz zwischen Ist- und Sollwert
  • ein Ziel definiert einen Leistungsstandard (Sollwert, Idealzustand) und motiviert ein gerichtetes Verhalten
  • Sollwert wird handlungsleitend wenn man sich selbst als wirksam erlebt, man eine Diskrepanz zwischen Ist- und Sollwert und somit einen Bedarf wahrnimmt → erfordert ein Feedback
  • erst wenn Feedback vorliegt, kann entsprechend dem Feedback-Loop Modell ein kontinuierliches Monitoring stattfinden, eine Kontrolle ob das Ziel erreicht wurde
  • im nächsten Schritt kann der Einsatz zielrelevanter Mittel zur Minimierung der Diskrepanz zwischen Soll- und Ist-Wert initiiert werden → derartige Handlungen müssen in einem aufwendigen Prozess koordiniert und so lange aufrechterhalten werden bis die Diskrepanz beseitigt ist
  • eine Person, die keine Rückmeldung über die Angemessenheit ihrer Vorgehensweisen, Beurteilungen und Entscheidungen erhält, kann aus ihren Erfahrungen nicht lernen
  • insbesondere bei Entscheidungsaufgaben wirkt ein Feedback leistungssteigernd, bei fehlendem Feedback bleibt die Leistungssteigerung aus
  • die Existenz von Feedback gehört neben der Eigenverantwortung und dem herausforderndem Charakter der Aufgabe, zu den Rahmenbedingungen die gegeben sein sollten, damit ein vorhandenes Leistungsmotiv in Leistungsverhalten umgesetzt wird
  • Feedback über die Qualität der Entscheidung muss mit den diagnostischen Eingangsinformationen verknüpft werden
  • ohne Feedback ist es aber nicht möglich, self-regulatory-skills zu entwickeln, selbst wenn man über viele Jahre an Erfahrung verfügt
  • Diagnostik als selbstregulative schematische Abfolge des Vergleichs von Soll- und Istwerten einerseits und Eingriffen in das System andererseits
  • Fortschritte sollen in Form von Feedback-Schleifen in das Bewusstsein gelangen
  • Prozessgestaltung sollte sich also an dem klassischen TOTE-Konzept orientieren (Test, Operate, Test, Exit)
  • erst durch das Feedback über die Qualität der Diagnose kann die Qualität der Arbeit zum Leistungsanreiz werden
  • Leistungsmotivierte Menschen versuchen
    • ihre eigenen bisherigen Leistungen zu übertreffen
    • nach Erfolg zu streben
    • andere zu übertreffen
  • ohne Feedback über die Qualität der Diagnose fehlt der Leistungsanreiz für die Diagnostiker → Leistungsanreiz fehlt, weil durch fehlendes Feedback Qualität eine astrakte, nicht registrierbare Größe bleibt → weder positive, noch negative Effekte
  • DIN 33430 als Grundlage für eine Qualitätssicherung durch Feedback → Feedback erfolgt über Lizenzen, Zertifizierungen, Checklisten
  • die DIN 33430 selbst definiert Qualität als Beschaffenheit und bezieht sich auf konkrete Qualitätsforderungen
  • Grundprinzip besteht darin, dass die geforderten Qualitätsmerkmale gemessen werden können, so dass die Erfüllung / Nichterfüllung im Sinne des bisher beschriebenen Feedback-Systems bestimmt werden kann

für die Praxis relevante Entscheidungskriterien hinsichtlich der Gestaltung der Diagnostik

  • Berücksichtigung der Bedingungen unter denen die Praktiker arbeiten → explizite Kriterien, implizite Kriterien
  • Explizite Kriterien
    • Praktiker berücksichtigen mehrere Kriterien simultan → mehrere, sich teilweise widersprechende Entscheidungskriterien
    • in der Wissenschaft hat Validität das Primat unter den Kriterien
    • multiattributive Nutzenmodelle stellen eine vielversprechende Weiterentwicklung des Kosten-Nutzen-Ansatzes dar
    • bei diesen Ansätzen ist es möglich, mehrere Kriterien / Attribute in der Nutzenkalkulation zu berücksichtigen (z.b. Validität einerseits und Fairness andererseits)
    • Qualitätskriterien der Praxis sind
      • Schnelligkeit
      • Praktikabilität
      • Einsatzhäufigkeit
      • soziale Akzeptanz (besonders in bewerberorientierten Märkten, wo es schwer ist Personal zu bekommen)
    • Bezeichnung der „sozialen Validität“ ist fachlich problematisch, da das Bezeichnete nicht mit der (Fach)Bedeutung des Wortes in Einklang steht, strategisch ist der Begriff geschickt gewählt → im Gegensatz zu den erst langfristig zur Verfügung stehenden Informationen über die prognostische Kriteriumsvalidität können Akzeptanzbefragungen unmittelbar durchgeführt werden, verlangen also keinen „Belohnungsaufschub“
    • Verfahren werden eingesetzt weil sie praktikabel und sozial akzeptiert sind, nicht weil sie valide sind
  • Implizite Kriterien
    • Einstellungen werden nicht unmittelbar von Reizgegebenheiten einer Situation oder von Sachargumenten gesteuert, sondern zunächst verarbeitet und zu einer Kognition integriert
    • neben der objektiven Realität existiert die subjektive Realität → der Mensch konstruiert sich seine Welt
    • neben differentiell-psychologischen Aspekten sollten bei der Erklärung auch mikropolitische Aspekte der Organisation berücksichtigt werden → „lokale Theorien“ implizites Wissen und Ziele innerhalb einer Organisationskultur und Gesellschaft
    • unstandardisierte und intransparente Verfahren vereinfachen die Realisierung impliziter Ziele
    • lokale Theorien“ sind die in einer Organisation von einer Mehrheit geteilten und in der Regel nicht in Frage gestellten Vorstellungen und Überzeugungen hinsichtlich der für die gemeinsame Arbeit relevanten Ausschnitte der organisationalen Wirklichkeit
    • man kann zischen den „espoused theories“ (öffentliche Leitbilder, Ziele, Werte) und „theories in use“ unterscheiden
    • Blick auf die impliziten Ziele fokussiert den „Verwertungszusammenhang“
    • angenommen den „theories in use“ zufolge bestehen in einer Organisation Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen ist es denkbar dass bereits die Anforderungsanalyse so gestaltet wird, dass bestimmte Gruppen bei der Personalauswahl weniger Chancen haben
    • wahrscheinlicher ist es aber, dass das Anforderungsprofil lediglich die „espoused theories“ wiedergibt, und keine Vorurteile wiederspiegelt
    • es ist unter diesen Umständen weder verwunderlich, noch irrational, dass die Organisation ein vergleichsweise interpretationsoffenes und intransparentes Personalauswahlverfahren einem standardisierten, transparenten Verfahren vorzieht → Intransparenz schützt vor Kritik
    • intransparente Verfahren stehen seltener im Verdacht der „Unfairness“, da nichts über die Verfahren bekannt ist, ist auch nicht kritisches bekannt, so dass die Wahl intransparenter Verfahren fehlerhaft als Beitrag zur Risikominimierung angesehen werden kann
    • AGG (Allgemeines Gleichstellungs Gesetz) sieht für den Arbeitgeber eine Rechtspflicht zur Begründung seiner Auswahlentscheidung vor → Voraussetzung hierfür ist ein gut dokumentiertes, nachvollziehbares Verfahren
    • Standardisierung weckt ein kollektives Interesse, welches durch die Personalvertretung wahrgenommen werden kann
    • Kurzfristige Erfolge sind oft wichtiger als langfristige Qualität

dem Wissenstransfer abträgliche Eigenschaften und Ziele einzelner Entscheider

  • Individuell differentielle Perspektive → individuelle Personenmerkmale können sich als Hindernis für den Wissenstransfer von der Wissenschaft zur Praxis auswirken
  • das Dispositions-Konzept von Junge et al. Identifiziert 7 veränderungsrelevante persönliche Dimensionen
    • locus of control
    • generalized self-efficacy
    • self-esteem
    • positive affectivity
    positive self-concept
    • openness to experience
    • tolerance of ambiguity
    • risk aversion
    risk tolerance
  • risk tolerance weist konzeptionelle Übereinstimmungen mit „resistance to change“ auf → Menschen mit einer hohen Ausprägung dieser Dimension beharren auf Routinen, reagieren emotional angespannt auf Veränderungen und sind in ihrem Denken kurzfristig orientiert und rigide → führt dazu dass Innovationen abgewehrt werden
  • Organisationen als „politische Arena“ für individuelle Interessen → mit Personalauswahl und Eignungsbeurteilung sind Aspekte der Machtausübung verbunden → Privilegien werden verteidigt
  • den psychologischen Erkenntnissen zufolge reagieren Personen auf von außen vorgenommene Initiativen, ihre Entscheidungsfreiheiten einzuschränken, mit Reaktanz
  • freie“ Personalauswahlverfahren machen mehr Spaß und schützen vor Verantwortungsübernahme
  • Interviews sind aufgrund ihrer Interaktivität abwechslungsreich, die Informationsverarbeitung erfolgt unmittelbar und nicht über einen als „black box“ zwischengeschalteten Test, die Rolle des Interviewers ist attraktiver als die Rolle des Testverantwortlichen
  • intransparente, schlecht dokumentierte Verfahren schützen vor Verantwortungsübernahme → ob ein Test falsch ausgewertet wurde lässt sich eindeutig nachvollziehen, die Verantwortlichen können zur Rechenschaft gezogen werden
  • ob ein Fehler in einem nicht dokumentierten Interview gemacht wurde, lässt sich hingegen kaum nachvollziehen, so dass im Falle eines Misserfolges niemand verantwortlich gemacht werden kann

verminderte Einflussnahme der Wissenschaft aufgrund der einseitigen Grundlagenorientierung der universitären Psychologie

  • praxisorientierte Arbeiten sind in der grundlagenorientierten psychologischen Wissenschaft schlecht angesehen
  • in der Grundlagenwissenschaft werden idealisierte Situationen angestrebt, die unter störungsfreien Bedingungen eine größtmögliche Kontrolle und planmäßige Variation der Variablen ermöglichen
  • im Gegensatz zur Naturwissenschaft, in deren Glanz sich die psychologischen Grundlagenwissenschaften sonnen, werden die empirischen Arbeiten der Anwendungsfächer diesen Anforderungen nicht gerecht
  • der Einsatz von diagnostischen Verfahren im Feld erfordert Kompromisse, da der Klinik-, Schul-, Betriebsalltag nicht gestört werden darf
  • die Pflicht auf englisch zu publizieren erschwert den Wissenstransfer in die diagnostische Praxis → Praxis nimmt eher in Nationalsprache verfasste Publikationen zur Kenntnis
  • im Gegensatz zur Naturwissenschaft geht es in der angestrebten Diagnostik nicht um universelle Gesetze sondern um zielorientiertes Handeln in einem definierten und sprachgebundenen Anwendungskontext
  • Diagnostik ist sprach-, kultur- und kontextgebunden
  • Einseitige Ausrichtung auf Internationalität bedeutet indirekt eine Ausgrenzung bestimmter inhaltlicher Themen aus dem wissenschaftlichen Fokus
  • es besteht ein Mangel an geeigneten Publikationsforen für praxisorientierte diagnostische Arbeiten → verknüpft mit Internationalisierung

fredag 5. mai 2017

Diskrepanz zwischen Anwendungshäufigkeit und Validität diagnostischer Verfahren am Beispiel der Personalauswahl

Diskrepanz zwischen Anwendungshäufigkeit und Validität diagnostischer Verfahren am Beispiel der Personalauswahl



Qualitäts und Kenntnisdefizite

  • Qualitätsdefizite in der psychologischen Diagnostik werden vor Allem beim unsachgemäßen Einsatz psychologischer Tests befürchtet → unklar ob ein tatsächliches Qualitätsdefizit vorhanden ist, oder ob in anderen Bereichen vorhandene Qualitätsmängel hier nur deutlicher auffallen
  • Psychologen sind nur selten in die Personalauswahl eingebunden (Beobachter und Testanwender)
  • aufgrund der Menge an Personalentscheidungen lässt sich die Eignungsdiagnostik nicht ausschließlich von Psychologen bewältigen
  • ebenfalls zu bedenken, dass der Status „Diplompsychologe“ keine Garantie für Mangel an Qualitätsdefiziten ist → Qualität lässt sich nicht an der Mitgliedschaft in einer Gruppe festmachen → Formulierung von Qualitätsstandards für die psychologische Diagnostik

Ansätze zur Qualitätssicherung und -optimierung der psychologischen Diagnostik

  • Ansätze
    • zielen auf
      • den diagnostischen Prozess im Allgemeinen
      • auf die diagnostischen Verfahren
      • auf die Kompetenzen der diagnostisch Tätigen
    • bedienen sich der Mittel
      • der Richtlinie
      • des Beurteilungssystems
      • der Qualifizierung, Prüfung, Lizenzierung von Personen
  • Richtlinien
    • Richtlinien zur Prozessgestaltung
    • Richtlinien zur Gestaltung und Anwendung von Verfahren
    • Richtlinien in denen die erforderlichen Kompetenzen der Anwender beschrieben werden
  • für spezifische Tests finden sich vollständig ausgearbeitete Beurteilungssysteme
  • in Bezug auf Kompetenzen kann unterschieden werden, ob die Anforderungen an die diagnostisch Tätigen lediglich in Richtlinien festgehalten werden oder ob darüber hinaus Qualifizierungsmaßnahmen mit ausgearbeiteten Curricula und / oder Prüfungs- und Lizensierungsangebote existieren → Konkretisierung / Umsetzung von eher allgemein gehaltenen Richtlinien

Richtlinien

  • Richtlinienansatz ist weit verbreitet
  • Standards für pädagogisches und psychologisches Testen
    • behandelt werden vor allem Leistungstests und Fragebogen
    • deutschsprachige Ausgabe der „Standards“ wurde 1998 veröffentlicht, die aktuellste Ausgabe der Standards (2001) liegt nicht auf deutsch vor
    • in der Version von 1985 werden sogenannte „Primäre Standards“ formuliert, die grundsätzlich erfüllt sein müssen
    • darüber hinaus gibt es weniger verbindliche, aber wünschenswerte „sekundäre Standards“
    • in eine dritte Kategorie fallen Standards, deren Relevanz in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation variiert
    • die 264 Standards der aktuellen Auflage gliedern sich in drei Abschnitte
      • Testentwicklung, Evaluation und Dokumentation
        • 123 Standards zu Themengebieten
          • Validität
          • Reliabilität
          • Testentwicklung und Testrevision
          • Skalierung und Normierung
          • Testanwendung, Testauswertung, Ergebnisdarstellung
          • Dokumentation
      • Testfairness
        • es geht dabei beispielsweise um das Testen von Personen mit Behinderungen oder das Testen sprachlicher Minderheiten → Nachweis gefordert, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit in den unterschiedlichen Gruppen das gleiche Konstrukt gemessen wird
      • Testanwendung
        • Eignungsbeurteilungen, die bei der Frage der Zulassung zur Berufsausübung abgegeben werden → Ausübung von Berufen nicht allein von Ausbildung abhängig, sondern von tatsächlicher Eignung
    • Code of fair testing practices in education → thematisiert die Fairness der Testung gegenüber Alter, Geschlecht, Behinderungen, ethnischer, nationaler und sprachlicher Herkunft sowie religiöser und / oder sexueller Orientierungen und dürfte in Deutschland im Kontext des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) von Interesse sein
    • die Richtlinie „The Rights and Responsibilities of Test Takers: Guidelines and Expectations“ verdeutlicht was bei der Testung beachtet werden muss, um die Rechte der getesteten Personen zu wahren
    • die „Task Force on Test User Qualifications“ konzentriert sich auf die notwendigen Kompetenzen der Anwender → die als notwendig erachteten Kompetenzen werden in Abhängigkeit vom Anwendungskontext differenziert beschrieben
  • Priciples for the validation and the use of personnel selection procedures
    • konzentrieren sich ausschließlich auf die Erfassung von Eignung und Leistung im beruflichen Kontext und auf die in diesem Kontext relevanten Themen
      Anforderungsorientierung, Selektions- und Entscheidungsstrategien
  • nationenübergreifende Ansätze
    • International Test Commission hat nationenübergreifende Richtlinien entwickelt
    • nach Ansicht der Kommission erfordert die Internationalisierung des Testmarktes internationale Richtlinien für die Testanwendung, wobei jedoch die Kontextbedingungen auf der jeweiligen nationalen Ebene zu berücksichtigen sind
    • durch die explizite Berücksichtigung der Anwendungskontexte soll es möglich werden, gleichzeitig lokal heterogene Anforderungen und international homogene Standards zu erfüllen
    • auf nationaler Ebene stellen internationale Richtlinien eine Art „benchmark“ für lokale Richtlinien und Qualitätsstandards dar
    • die von der ITC erarbeiteten International Guidelines for Test Use stellen Richtlinien dar, die eine fachlich kompetente Praxis der Testanwendung, sowie eine Verantwortung für eine ethisch korrekte Testanwendung vorschreiben → sollen auf Arbeitsproben und Eignungsinterviews angewandt werden können
    • die Guidelines for Test Translation and Adaption wurden für die Übertragung von monolingualen / -kulturellen Testformaten in andere Sprachen und Kukturräume entwickelt
    • bei der Übersetzung und Adaption von Verfahren ist auf eine eventuelle kulturelle Distanz zu achten, die sich in Bereichen wie Sprache, Familienstruktur, Religion, Lebensstil und Wertekanon manifestieren kann
    • die International Guidelines on Computer Based and Internet Delivering Testing thematisieren u.a. Anforderungen an den Datenschutz und an die Qualität der Tests, die technischen Voraussetzungen und die Frage der Verantwortlichkeiten für diese Art von Testungen
    • die EAPA entwickelt Richtlinien für den diagnostischen Prozess → handlungsleitende Prinzipien für den gesamten diagnostischen Prozess zur Verfügung gestellt
    • Diagnostizieren als ein komplexer Entscheidungsprozess begriffen, bei dem der Diagnostiker zunächst Fragen formuliert und dann zur Beantwortung dieser Fragen gezielt Daten sammelt und die Ergebnisse analysiert, interpretiert und kombiniert
    • Richtlinien für den diagnostischen Prozess gehen von einem allgemeinen Rahmenmodell der Diagnostik aus, das 4 Phasen umfasst
      • Analysieren des Falls
      • Organisieren und Berichten der Ergebnisse
      • Planen der Intervention
      • Evaluation und Nachuntersuchung
  • von deutschen Organisationen herausgegebene Richtlinien
    • Berufsordnung für Psychologen → z.b. Pflicht zur gewissenhaften Berufsausübung, Bemühen um Sachlichkeit und Objektivität, Bewusstsein der sozialen Verantwortung
    • Grundsätze für die Anwendung psychologischer Eignungsuntersuchungen in Wirtschaft und Verwaltung → fordern die Verwendung wissenschaftlicher Verfahren, wenden sich gegen sachfremde Einflüsse bei Personalentscheidungen, sprechen sich für transparente Eignungsbeurteilungen aus
    • projektive und klinische Verfahren sollen den Grundsätzen zufolge für berufliche Eignungsbeurteilungen im Betrieb nicht genutzt werden → bei anderen Fragestellungen geeignet, können aber aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres für berufliche Eignungsbeurteilung genutzt werden
    • bei der Durchführung der Verfahren zur Eignungsbeurteilung ist den Grundsätzen zufolge auf Transparenz Wert zu legen
    • die gesamte Situation der Eignungsbeurteilung für die beurteilten Personen soll transparent sein
    • in Richtlinien geht es nicht nur um das Wissen und Können, sondern auch um das „Dürfen“
    • Richtlinien zielen auf die Qualitätssicherung und -verbesserung der Arbeit, thematisieren aber auch ethische und moralische Aspekte → betonen die Verantwortung in Bezug auf die von der Arbeit Betroffenen
    • Richtlinien benennen die Verantwortlichkeiten der Diagnostiker und geben an für welche Bereiche seines Handelns, Zurückhaltung angezeigt ist
    • Berufsordnung für Psychologen betont die notwendigen fachliche Kompetenz und die Pflicht zur Fort- und / oder Weiterbildung
    • Standards der Assessment Center
      • sind speziell auf das AC zugeschnittene Richtlinien
      • orientieren sich am Prozess der AC Konstruktion und Durchführung
      • jeder Standard zielt auf einen Prozessabschnitt
      • nehmen eine Systemperspektive ein
      • es wird viel Wert darauf gelegt AC systematisch zu initiieren, in den jeweils gegebenen organisatorischen Rahmen zu integrieren und mit den Instrumenten der Personalentwicklung zu verknüpfen
      • 9 Standards der Assessment Center Technik
        • Auftragsklärung und Vernetzung
          • vor Entwicklung und Durchführung eines AC sind Ziele und Rahmenbedingungen des Auftrags sowie Konsequenzen für die Teilnehmer verbindlich zu klären und zu koomunizieren
        • Arbeits- und Anforderungsanalyse
          • Eignungsbeurteilung lässt sich nur mit einer exakten Analyse der konkreten Anforderungen sinnvoll gestalten
        • Übungskonstruktion
          • ein AC besteht aus Arbeitssimulationen
        • Beobachtung und Bewertung
          • Grundlage für die Eignungsdiagnose ist eine systematische Verhaltensbeobachtung
        • Beobachtungsauswahl und Vorbereitung
          • gut vorbereitete Beobachter, die das Unternehmen angemessen repräsentieren, sind am besten geeignet, fundierte und treffsichere Entscheidungen zu treffen
        • Vorauswahl und Vorbereitung
          • systematische Vorauswahl und offene Vorinformation sind die Grundlage für den wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg im AC
        • Vorbereitung und Durchführung
          • eine gute Planung und Moderation des AC gewährleisten einen transparenten und zielführenden Ablauf des Verfahrens
        • Feedback und Folgemaßnahmen
          • jeder AC Teilnehmer hat das Recht auf individuelles Feedback, um so das Ergebnis nachvollziehen und daraus lernen zu können, nach dem AC sind konkrete Folgemaßnahmen abzuleiten und umzusetzen
        • Evaluation
          • Regelmäßige Güteprüfungen und Qualitätskontrollen stellen sicher, dass die mit dem AC angestrebten Ziele auch nachhaltig erreicht werden
    • Task Force on AC guidelines hat Richtlinien für AC erarbeitet, die aktuell um einen Abschnitt zum Thema „multi national adaptions of assessment centers“ erweitert werden
    • Kriterien für die Testbeurteilung → Kriterienkatalog nennt Aspekte, die bei der Beurteilung eines Verfahrens bedeutsam sind, dabei wird die Notwendigkeit, Umstände, Bedingungen und Zielsetzungen im Einzelfall zu berücksichtigen betont
    • beurteilungsrelevante Aspekte ziele auf Beurteilungen von Verfahren, stellen aber kein Beurteilungssystem im engeren Sinne dar
    • Kriterien für Testbeurteilung gemäß dem Katalog der Föderation Deutscher Psychologenverbände
      • Testgrundlage (Zielsetzung, theoretische Grundlagen, Nachvollziehbarkeit der Testkonstruktion)
      • Testdurchführung (Durchführungsobjektivität, Transparenz, Zumutbarkeit, Verfälschbarkeit, Störanfälligkeit)
      • Testverwertung (Auswertungsobjektivität, Zuverlässigkeit, Gültigkeit, Normierung, Bandbreite, Informationsausschöpfung, Änderungssensitivität)
      • Testevaluation (Ökonomie, Fairness, Akzeptanz, Vergleichbarkeit, Bewährung)
      • äußere Testgestaltung (Verständlichkeit des Testmanuals, Gestaltung der Testmaterialien, Übereinstimmung von Titel und werblicher Darstellung mit dem tatsächlichen Testinhalt)
    • Schweiz: „Labels“ der Diagnostikkommission → standardisierter Aufbau von Testrezensionen

Beurteilungssysteme für Tests

  • Beurteilungssysteme sehen formalisierte Bewertungen der Tests vor
  • das COTAN-System
    • Grundlage des Ansatzes sind formalisierte Systeme zur Verfahrensbeschreibung und -bewertung
    • Kriterien für die Testbeurteilung gemäß dem COTAN-System
      • Testkonstruktion (Transparenz des Anwendungsbereiches, des theoretischen Hintergrunds und der Operationalisierung)
      • Qualität
        • des Testmaterials
        • der Verfahrenshinweise
      • Normen
      • Reliabilität
      • Validität
        • Kriteriumsvalidität
        • Konstruktvalidität
    • Beurteilung erfolgt anhand vorgegebener Fragen, die alle Gutachter beantworten müssen
    • Gutachter haben die Aufgabe, die Fragen aufgrund der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen zu beantworten und diese Antworten dann mit Hilfe einer vorgegebenen Beurteilungsskala zu bewerten
    • Informationsdefizite werden negativ bewertet → fehlen Informationen zur Beantwortung der Fragen oder liegen negative Informationen vor, führt das zu einem negativen Urteil
  • das Testbeurteilungssystem des Testkuratoriums
    • das Testbeurteilungssystem des Testkuratoriums berücksichtigt explizit die DIN 33430

torsdag 6. april 2017

Links zu Organisationsdiagnostik

http://socioweb.leuphana.de/seminar/fuehrung/weiteres/fuehrung_script1.pdf

http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000001975/09_Kap9.pdf

http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/organisationsdiagnostik/10965

http://wwwftp.uni-lueneburg.de/personal_fuehrung/index.php/Organisationsdiagnose

Kurzscreening

  • Kurzscreening
    • mit diesem Screening werden relevante Merkmale der Arbeitstätigkeit, der Arbeitsumgebung, der Interaktion mit Vorgesetzten und Kollegen sowie des organisationalen Kontextes erfragt
    • ermöglicht wird ein kurzes Screening zu wesentlichen Merkmalen der Arbeitssituation und Organisation, die sich potenziell auf Erleben, Verhalten, Gesundheit etc. der Mitarbeiter auswirken
    • unterschieden werden die Bereiche Arbeitsaufgabe, Entwicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten, Organisationsklima, Einkommen, Umgebungsbedingungen und Organisation
    • parallel zur Erfragung der Ist-Situation kann auch das Soll abgefragt werden, indem nach der Wichtigkeit der einzelnen Merkmale gefragt wird
    • Sollwerte können unabhängig als arbeitsbezogene Werteorientierungen interpretiert werden und / oder durch Differenzbildung mit den Ist-Werten auch zur Messung von Zufriedenheit herangezogen werden

Leistung und Verhalten

  • Leistung und Verhalten
    • zusätzliches organisationales Verhalten (Extra-Rollen-Verhalten) erfordert besondere Initiative und Motivation der Mitarbeiter, da es in den üblichen Lohn-und Anreizsystemen unberücksichtigt bleibt
    • darüber hinaus entzieht es sich der direkten Steuerung und Kontrolle durch die Organisation
    • trotzdem sind diese Verhaltensweisen von besonderer Bedeutung für die Veränderungs- und Zukunftsfähigkeit einer Organisation
    • vor allem durch den zunehmenden organisationalen Wandel steigt die Bedeutung von Extra-Rollen-Verhalten für den Erfolg → OCB ist ein bedeutsamer Leistungsindikator
    • Organisational Citizenship Behavior (OCB)
      • hat eine prominente Stellung eingenommen und sich als Alternative zu herkömmlichen Leistungskriterien fest etabliert
      • umfasst 5 Facetten
        • Altruismus (freiwillige Unterstützung von Kollegen)
        • Conscientousness (besondere Sorgfalt und Zuverlässigkeit im Sinne der Organisation)
        • Sportsmanship (Toleranz gegenüber Ärgernissen und Unannehmlichkeiten)
        • Courtesy (Rücksicht und Verbindlichkeit im Umgang mit Kollegen)
        • Civic virtue (aktive Beteiligung und Engagement)
      • zur Erfassung von OCB werden in erster Linie Vorgesetztenurteile, Kollegenurteile und Selbsteinschätzungen verwendet
      • Vorgesetztenurteile sind als Quelle fraglich, da sich OCB zumindest teilweise der Wahrnehmung und Kontrolle der Vorgesetzten entzieht
      • Bedingungen, die zu OCB beitragen
        • Zufriedenheit
        • unterstützende, mitarbeiterorientierte Führung (vor allem transformationale, charismatische Führung)
        • affektives Commitment
        • Fairness
        • Merkmale der Arbeitsaufgabe
      • Zusammenhang zwischen OCB und anderen Variablen fallen geringer aus, wenn OCB nicht durch die Mitarbeiter selbst, sondern durch den Vorgesetzten eingeschätzt werden
    • persönliche Initiative
      • persönliche Initiative als Verhaltenssyndrom, das sich dadurch auszeichnet, dass Mitarbeiter in ihrer Arbeit besondere Eigeninitiative und Aktivität zeigen
      • zentrale Bestimmungsmerkmale sind
        • Übereinstimmung mit den Organisationszielen
        • langfristige Orientierung
        • konkrete Handlungen
        • Fortsetzen auch bei Widerständen und Rückschlägen
        • eigener Antrieb
      • Ursachen dieses Verhaltens werden mit Fähigkeiten und Motivation der Personen und weniger in den Anforderungen des Kontextes lokalisiert
      • zur Messung steht ein Interviewverfahren zur Verfügung
      • unterschieden wird zwischen einer quantitativen Komponente, wenn lediglich mehr Anstrengung aufgebracht wird, und einer qualitativen Komponente, wenn innovative Problemlösungen entwickelt werden
      • zusätzlich steht eine Selbsteinschätzungsskala zur Verfügung
      • persönliche Initiative kann durch Motivation und Fähigkeit erklärt werden, es zeigen sich deutliche Zusammenhänge zu Leistungsmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung, Extraversion, Gewissenhaftigkeit und kognitiven Fähigkeiten
      • nur geringer Zusammenhang zu Arbeitszufriedenheit, Unterstützung durch die Vorgesetzten spielt nur eine untergeordnete Rolle
      • Personen mit hoher persönlicher Initiative zeigen eine stärkere Bereitschaft, sich selbständig zu machen und haben ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko
    • Kreativität, innovatives Verhalten und Veränderungsbereitschaft
      • Kreativität ist eine wichtige Ressource für die Organisation
      • Innovationsfähigkeit von Mitarbeitern und Organisationen ist ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor
      • Innovation ist die absichtsvolle Einführung und Anwendung von neuen Ideen, Prozessen, Produkten oder Verfahren an einem Arbeitsplatz, in einer Gruppe oder in der gesamten Organisation
      • Ziel der Innovation ist es, die Leistung zu fördern
      • Kreativität ist bei der Generierung von Ideen von Bedeutung
      • es werden Prozess- und Produktinnovationen unterschieden, die nicht unabhängig voneinander sind
      • Voraussetzung / Ausgangspunkt für Innovationen in Organisationen ist die Innovationsbereitschaft und Kreativität der Mitarbeiter
      • mit Veränderungsbereitschaft ist eine offene und positive Einstellung gegenüber Prozess- und Produktinnovationen gemeint → besonders für eine erfolgreiche Implementation wichtig
      • Center-of-Excellence-Ansatz → innovatives Verhalten sowohl von Mitarbeitern, als auch von Führung und der gesamten Organisation gezeigt
      • grundlegende Voraussetzung für Innovationen ist eine ausgeprägte Problemlöse- und Reflexionsstruktur bei der Vor- und Nachteile von Standards, Zielen und Prozessen immer wieder in Frage gestellt werden und Probleme aktiv angegangen werden → konstruktive Fehler- und Lernkultur, die Fehler als Chance für Verbesserungen begreifen
      • Phantasie und Experimente sollten nicht nur geduldet, sondern erwünscht sein
      • Umsetzung neuer Ideen erfordert eine Implementationskultur, bei der sich alle zur Umsetzung entwickelter Neuerungen verpflichtet fühlen
      • wesentlich ist hierbei die Rolle der Führung, deren Aufgabe es ist, Vorschläge der Mitarbeiter ernst zu nehmen, sie zu fordern und zu fördern
      • Innovationsklima kann durch den Innovationsklima Frageboden (INNO) erhoben werden → zielt nicht nur auf individuelle Verhaltensunterschiede ab, sondern betrachtet die Organisation als Ganzes
      • INNO unterschiedet vier Dimensionen
        • aktivierende Führung
        • kontinuierliche Reflexion
        • konsequente Implementation
        • professionelle Dokumentation
      • OLAF – organisationales Klima für Lernen aus Fehlern
        • theoretischer Rahmen liefert ein Facettenmodell, das zwischen unterschiedlichen Lernphasen und Einflussfaktoren unterscheidet
        • Lernphasen sind durch unterschiedliches Umgehen mit Fehlern gekennzeichnet
        • wie jeweils verfahren wird, hängt von den beteiligten Vorgesetzten, Mitarbeitern und den Strukturen und Werten ab
        • transformationale Führung begünstigt ein positives Lernklima

Erleben und Befinden

  • Erleben und Befinden
    • es werden relevante Erlebensqualitäten der Mitarbeiter erfragt, die als emotionale und kognitive Reaktion auf die aktuellen Arbeitsbedingungen betrachtet werden können → ermöglicht wird ein kurzes Screening zum motivationalen und gesundheitlichen Status
    • Positivindikatoren → Zufriedenheit, Commitment
    • Negativfaktoren → Gereiztheit, Belastetheit
    • Arbeitszufriedenheit
      • Arbeitszufriedenheit als zentrale Einstellung gegenüber der Arbeit → hängt eng mit Leistung und allgemeiner Lebenszufriedenheit (physische und psychische Gesundheit) zusammen
      • Arbeitszufriedenheit als angenehmen positiven Zustand, der das Resultat der Bewertung der eigenen Arbeit ist
      • Arbeitszufriedenheit als die Einstellung des Mitarbeiters gegenüber seiner Arbeit insgesamt oder gegenüber einzelnen Facetten der Arbeit (Arbeitsaufgabe, Kollegen, Vorgesetzte, Arbeitsbedingungen)
      • Arbeitszufriedenheit beinhaltet emotionale und kognitive Aspekte
      • wird Arbeitszufriedenheit als Einstellung gemessen, dann wird sie entweder als globales Maß (Einzel-Item-Messung) oder als Profil der einzelnen Komponenten bzw. Facetten erhoben
      • zu den zentralen Facetten gehören die Arbeitstätigkeit selbst, Führung, Bezahlung etc. → die jeweiligen Zufriedenheitswerte mit den einzelnen Facetten können dann jeweils zu einem Gesamtwert zusammengefasst werden
      • der Anteil zufriedener Mitarbeiter fällt bei Single-item-Messung oft sehr hoch aus → Validität des Zufriedenheitsmaßes ist fraglich → Gründe
        • methodische Gründe
        • Angst vor negativen Konsequenzen bei kritischen Einschätzungen
        • pauschaler Charakter der Fragen, der eine Positivauswahl in der rückblickenden Bilanz begünstigt
        • Bewertungsprozesse (Mitarbeiter neigen z.b. dazu ein positives Selbstbild aufrechterhalten zu wollen, in das eine negative Arbeitssituation nicht hineinpasst, oder sie haben ihr Anspruchsniveau gesenkt um mögliche Dissonanzen zu vermeiden → resignative Zufriedenheit)
      • Arbeitszufriedenheit kann unterschiedliche Qualitäten aufweisen
        • progressive Zufriedenheit
        • stabilisierte Zufriedenheit
        • resignative Zufriedenheit
        • frustrierte Zufriedenheit
    • Commitment
      • organisationales Commitment = Verbundenheit / Identifikation des Mitarbeiters mit dem Unternehmen
      • Bindung kann durch ein hohes Maß an Verbindlichkeit und Loyalität aber auch durch Gleichgültigkeit und Distanz geprägt sein
      • ein hohes durchschnittliches Commitment kann auch als Ausdruck eines starken Zusammenhaltes und einer ausgeprägten Unternehmensidentität verstanden werden
      • es wird erwartet, dass sich Mitarbeiter mit hohem Commitment besonders engagieren, eine geringe Fluktuationsneigung aufweisen und ihrem Unternehmen auch in schwierigen Zeiten „treu bleiben“
      • Commitment und Arbeitszufriedenheit sind zum teil unabhängig voneinander
      • Commitment besteht aus drei Komponenten → können gleichzeitig auftreten und unterschiedlichen Ausprägungen vorliegen
        • affektives Commitment
        • kalkulatorisches Commitment
        • normatives Commitment
      • Commitment entwickelt sich gegenüber unterschiedlichen Foci → z.b. gegenüber Vorgesetzten, der Arbeitsgruppe, dem Topmanagement, der eigenen Karriere, der Beschäftigungsform
      • affektives Commitment ist wichtig für den Unternehmenserfolg → korreliert positiv mit Leistungsbeurteilungen durch Vorgesetzte
      • besonders hoch sind negative Korrelationen zwischen affektivem Commitment und Fluktuationsabsicht bzw. tatsächlicher Fluktuation
      • nachgewiesen wurden auch negative Zusammenhänge zwischen affektivem Commitment und Stresserleben und Gereiztheit
      • kalkulatorisches Commitment korreliert in der Tendenz positiv mit Stresserleben
      • den drei Komponenten liegen unterschiedliche psychologische Mechanismen zugrunde → Skalen sollten nicht zu einem Gesamtwert zusammengeführt werden
      • ist aus ökonomischen Gründen nur eine begrenzte Anzahl von Items möglich, sollte „affektives Commitment gegenüber der Organisation“ eingesetzt werden
    • Gesundheit
      • zur Beurteilung des Gesundheitsstatus sind positive und negative Indikatoren heranzuziehen
      • neben vergleichsweise harten Daten (z.b. Arbeitsunfähigkeitstage, Arbeitunfälle), die bereichsspezifisch bzw. im Branchenvergleich analysiert werden können, liefern eher weiche Befindensdaten Hinweise auf gesundheitliche Risiken in einer Organisation, in bestimmten Bereichen, bei bestimmten Arbeitsplätzen oder Beschäftigungsgruppen
      • Befindensbeeinträchtigungen werden als Reaktion auf Belastungen bzw. Stressoren sowie unzureichende Ressourcen in der Arbeit betrachtet
      • Negativindikatoren für das Gesundheitserleben sind Skalen zur Erfassung psychischer Erschöpfung
      • ein Positivindikator ist beispielsweise eine berufliche Selbstwirksamkeitserwartung
      • Befindensbeeinträchtigung
        • Gereiztheit und Belastetheit → psychischer Erholungszeiten (Arbeitspausen, Feierabend, Wochenende) nicht abgebaut werden kann, negative Emotionen aus der Arbeit wirken sich nachhaltig auf den Freizeitbereich aus
        • Irritation kann aus eigener Kraft nicht beseitigt werden und führt zu Reizabwehr, Irritation lässt sich zwischen psychischer Ermüdung und psychischer Erkrankung einordnen → Irritation kann als Frühwarnsignal betrachtet werden
        • es wird empfohlen, die Skalen zur Messung von Befindensbeeinträchtigung als Bestandteil einer organisationalen Beanspruchungsdiagnostik sowie zur Planung und Evaluation präventiver Interventionen einzusetzen
        • sowohl somatische Beschwerden als auch psychische Erschöpfung berücksichtigen → liefern Hinweise auf gesundheitliche Risiken und Stressoren
        • zentrale Beschwerdebereiche sind Magen- Darmbeschwerden, Muskel- und Skeletterkrankungen, Kreislauferkrankungen und Atemwegserkrankungen → verursacht durch ein Wechselspiel psychischer und physischer Faktoren
        • Burnout bezeichnet ein psychisches Erschöpfungssyndrom als Reaktion auf Überforderung, Fehlbeanspruchung und Stress und äußert sich in Erschöpfung, Depersonalisierung, innerem Rückzug, Erleben von Unwirksamkeit, Kontrollverlust, Gleichgültigkeit und Zynismus
        • Depersonalisierung = emotionale Distanzierung → als Bewältigungsstrategie zur Vermeidung von Überforderung
        • Burnout hängt mit Angsterleben und Depressivität zusammen und führt zu höheren Absentismusraten, Kündigungsabsichten, tatsächlicher Fluktuation, geringerer Leistung und Produktivität, geringerem Commitment gegenüber der Organisation und negativen gesundheitlichen Konsequenzen
      • psychisches Wohlbefinden
        • berufliche Selbstwirksamkeit = die Überzeugung, beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein und selber aktiv erfolgreich eigene Ziele verfolgen zu können
        • Mitarbeiter mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung gehen davon aus, dass sie durch ihr eigenes Handeln und Tun Einfluss nehmen und Veränderungen bewirken können
        • hohe berufliche Selbstwirksamkeit fördert das psychische Wohlbefinden → bedeutsame Ressource zur Bewältigung von Schwierigkeiten und Problemen
        • Kohärenzerleben → wichtige Ressource im Umgang mit Stressoren, ist die wichtigste internale personale Ressource im Salutogenesemodell → ist das Vertrauen, dass die Ereignisse in der inneren und äußeren Umwelt vorhersehbar und strukturierbar, Ressourcen verfügbar und Anforderungen wichtig und bedeutsam sind und sich Engagement und Einsatz lohnen
        • Kohärenzerleben korreliert hoch mit selbst berichteter physischer und psychischer Gesundheit, psychischem Wohlbefinden, allegemeiner Lebenszufriedenheit und Selbstbewusstsein
        • Kohärenzerleben wird als situationsinvariantes aber auch flexibles kognitives Überzeugungssystem und Handlungsmuster aufgefasst, das als vergleichsweise stabiles Persönlichkeitsmerkmal verstanden wird
        • Arbeitsfreude, Arbeitsstolz und Engagement gelten als valider Indikator für psychisches Wohlbefinden
        • Engagement als direkter Gegenpol zu Burnout → bei Burnout stehen Erschöpfung, Kontrollverlust und Zynismus im Vordergrund, bei Engagement stehen Energie, Begeisterung, Kontrolle, Tatkraft, Hingabe im Fokus