torsdag 15. mars 2018

Ziele

Ziele

Motiviertes Verhalten, egal ob intrinsisch oder extrinsisch motiviert, ist immer auch zielgerichtetes Verhalten. In der Zielsetzungstheorie (goal-setting-theory) von Locke und Lantham (2002) stehen die zwei Faktoren, Schwierigkeit und Präzision von Zielen, im Mittelpunkt. Herausfordernde, aber erreichbare, präzise formulierte Ziele, führen demnach zu Leistungssteigerung und aktivieren bestimmte Wirkmechanismen. Ziele geben dem Arbeitsverhalten von Angestellten eine Richtung, fördern Intensität und Ausdauer des Handelns und tragen zu der Entwicklung spezifischer Strategien bei. (Kanning & Staufenbiel, 2014a, S. 67). Zielcommitment, Feedback und Aufgabenkomplexität beeinflussen als Moderatoren ebenfalls die Wirkmechanismen. Ein hohes Zielcommitment kann durch einen hohen Grad an Mitarbeiterpartizipation erreicht werden. Ein regelmäßiges Feedback während und am Ende des Prozesses und die Unterteilung komplexer Arbeitsaufgaben in Teilziele können Reibungsverluste vermindern und sich positiv auf die Zielerreichung auswirken.
Management by objectives (MbO) nach Drucker (1954) ist ein Führungsansatz, der ebenfalls nach einer Zielsetzungsmethode arbeitet und sich, als praktisch orientierter Ansatz, besonders in den 1960er und 1970er Jahren sehr großer Beliebtheit erfreute (Fischer & Sortland, 1999, S. 185-186). Anders, als bei der vorhergehend formulierten goal-setting-theory, formulieren die Mitarbeiter eines Unternehmens, die Ziele dabei allerdings nicht selbst, sondern hier (im Mbo) werden die angestrebten, relativ abstrakten Ziele durch die Unternehmensleitung, sozusagen von Oben herab festgelegt und erst anschließend werden die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten zwischen Mitarbeiter direktem Vorgesetzten besprochen. Eine Schwäche dieses Ansatzes ist dementsprechend das geringe Zielcommitment (Kanning & Staufenbiel, 2014a, S. 69). Harry Levinson (2006) drückte sich zum MbO unter der Überschrift „Managenment by whose objctives?“ folgendermaßen aus: „Yet, like most realizations in the Taylor tradition, MBO as a process is one of the greatest managerial illusions because it fails to take adequately into account the deeper emotional components of motivation.” (S. 2)

Motivation

1.1 Motivation

1.1.1 Motiv, Motivation und Motivierung

Ein Motiv ist die Grundlage für das Verhalten von Individuen. Laut Kanning und Staufenbiel (2014a) können Motive sehr unterschiedlicher Art, materiell und immateriell, und Ausprägung sein. Motive haben ihren Ursprung in der genetischen Ausstattung des Individuums, den Lernerfahrungen und der Sozialisation des Einzelnen. Dementsprechend lassen sich sehr unterschiedliche Motivstrukturen feststellen. Anreize in der Umgebung können Motive aktivieren. „Der Anreiz verdeutlicht den Mitarbeitern, dass ein Motiv durch eine bestimmte Arbeitsleistung befriedigt werden kann.“ (Kanning & Staufenbiel, 2014a, S.57) Wurde ein Motiv durch die entsprechenden Anreize erfolgreich angeregt, entsteht Motivation als ein zielgerichtetes Handeln. Motivierung entsteht letztendlich, wenn es der Führungskraft gelingt, die entstandene Motivation des Mitarbeiters, auf bestimmte Handlungsziele auszurichten. Im organisationalen Kontext ist die Motivation des einzelnen Mitarbeiters dahingehend wichtig, als dass sie im Zusammenspiel mit den situationalen Faktoren und den Kompetenzen des Einzelnen, die Arbeitsleistung bestimmt. Demzufolge stellt die Motivierung der Mitarbeiter durch die Führungskräfte eines Unternehmens eine der zentralen Führungsaufgaben dar. Eine Arbeitsleistung zieht eine Belohnung nach sich, in Form von z.B. Geld, Anerkennung oder der dauerhaften Sicherung des Arbeitsplatzes, die im besten Fall zur Befriedigung der Motive eines Mitarbeiters beiträgt. Idealerweise ist das Resultat einer gerechten Belohnung, die Zufriedenheit des einzelnen Mitarbeiters. Das Thema Gerechtigkeit wird an späterer Stelle noch ausführlicher besprochen.

1.1.2 Motivationsarten

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten der Motivation unterscheiden. „Avhengig av om den vektlegger indre faktorer (f.eks. biologiske mangeltilstander, psykologiske drifter) eller ytre, situasjonelle faktorer (f.eks. belönning, incentiver)1“ (Svartdal, 2011, S.133) werden intrinsische und extrinsische Motivation unterschieden. Während intrinsische Motivation aus sich selbst entsteht, eine Tätigkeit also um ihrer selbst willen ausgeführt wird (interne Prozessmotivation) oder aus einem internen Selbstverständnis heraus entstehen kann (intrinsische Motivation, 2017), stellt extrinsische Motivation, die durch äußere Reize hervorgerufene Motivation dar. Aufgaben werden dabei also ausgeführt um eine Belohnung zu erhalten oder einer Bestrafung zu entgehen. Extrinsische Motivationsfaktoren haben im Allgemeinen einen stärkeren aber kurzfristigeren Effekt, wohingegen intrinsische Motivationsfaktoren eine langfristigere Wirkung erzielen.

1.1.3 motivationstheoretische Ansätze

Die Entstehung der motivationstheoretischen Ansätze begann in den 1930er Jahren, als Gegenbewegung zum Taylorismus, der ein mechanisches Menschenbild vertrat und letztendlich zu Gunsten, von humanistisch geprägten Vorstellungen abgelöst wurde. Im Rahmen der humanistischen Gegenbewegung zum Taylorismus wurde der Mensch mehr und mehr als ein sozial motiviertes Gruppenwesen mit individuellen Motiven angesehen. Allerdings ist trotz intensiver Forschung in den 1950er bis 1970er Jahren noch bis heute keine allgemeingültige Motivationstheorie, die umfassend und abschließend erklären kann, wie menschliches Verhalten in wirtschaftlichen Unternehmen beeinflusst und gesteuert werden kann, existent. Es gibt mehrere Modelle, die nebeneinander bestehen, die aber keineswegs ganzheitlich und abgeschlossen sind, sondern eher als unterschiedliche Erklärungsansätze anzusehen sind, die, je nach Verfasser, auf verschiedenen Annahmen beruhen. Die bekanntesten motivationstheoretischen Ansätze lassen sich in die zwei Gruppen, Inhaltstheorien und Prozesstheorien der Motivation, einteilen.
Inhaltstheorien, auch substanzielle Theorien genannt, arbeiten mit den konkreten Motiven und Bedürfnissen von Individuen. Zu den bekanntesten Ansätze innerhalb dieser Kategorie gehören Maslows Bedürfnishierarchie, Alderfers ERG-Theorie und das Zwei-Faktoren-Modell von Herzberg. Der Fokus der Prozesstheorien hingegen, liegt auf den Prozessen und Einflussfaktoren, die eine Person zu dem jeweiligen Verhalten veranlassen, ohne dass dieser Person substanzielle Motive unterstellt werden. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist die VIE-Theorie von Vroom.
Die Bedürfnispyramide nach Maslow (1908-1970) stellt die wahrscheinlich bekannteste Unterteilung von Bedürfnissen dar. Nach Maslow lassen sich demnach Bedürfnisse in 5 Ebenen einteilen, die aufeinander aufbauen, d.h. erst nach der Befriedigung der Bedürfnisse der einen Ebene erfolgt der Aufstieg in die nächsthöhere Ebene. Die Erfüllung der höchstwertigen Bedürfnisse hat also immer die höchste Motivationswirkung, demzufolge hat die Befriedigung eines als niedrig bewerteten Bedürfnisses eine geringere Motivationswirkung und nimmt sogar deutlich ab. Die Ebenen 1-4 stellen Defizitbedürfnisse dar, was bedeutet, dass das Motiv aus einem Mangel heraus entsteht. Laut Maslow wird eine optimale Bedürfnisbefriedigung (Homöostase) angestrebt, da eine Übererfüllung der Bedürfnisse, als genauso unangenehm erlebt wird, wie eine Untererfüllung. Die erste Ebene beinhaltet die physiologischen Bedürfnisse, wie Nahrung, Schlaf, Sexualverhalten. Auf diese physiologischen Bedürfnisse folgen Sicherheit (2. Ebene), Zugehörigkeit (3. Ebene) und Achtung (4. Ebene). Selbstverwirklichung (5.Ebene) bildet als Wachstumsbedürfnis die Spitze der Pyramide und hat in ihrer Erfüllung keine Grenze nach oben. Harry Levinson (2006) fasst Maslows Bedürfnishierarchie folgendermaßen kritisch zusammen:
Abraham Maslow´s theory of needs is an example of a normative theory that enables us to understand generalized behaviors. However, it does not allow for interventions of choice, e.g., what is the best thing to do about a specific set of circumstances.” (S. 84)
Neben der von Levinson bereits genannten Kritik an der Universalität der Bedürfnisstärke kann weiterhin die angenommene, empirisch nicht nachweisbare, Universalität der Stufenabfolge sowie das Homöostaseprinzip, besonders für die höheren der Defizitbedürfnisse, als problematisch angesehen werden.
Eine Weiterentwicklung von Maslows Theorie stellt die ERG-Theorie nach Alderfer (1940-2015) dar. Alderfer fasst die Bedürfnisse zu drei Kategorien zusammen. Weiterhin erfolgt eine Liberalisierung der Stufenabfolge. Demzufolge müssen nicht erst die Bedürfnisse der einen Stufe erfüllt sein, bevor ein Aufstieg in die nachfolgende Bedürfniskategorie erfolgt. Außerdem wird das Homöostaseprinzip aufgelöst, was heißen soll, dass die einzelnen Bedürfnisse einander kompensieren können. Die Übererfüllung der Bedürfnisse der einen Kategorie, kann das Fehlen der Bedürfnisbefriedigung in einer anderen Kategorie ausgleichen. Die drei Bedürfnisklassen nach Alderfer sind Existence needs (E), also physiologische und materielle Bedürfnisse, Relatedness needs (R), soziale, zwischenmenschliche Bedürfnisse, sowie Growth (G), z.B. Selbstverwirklichung, Selbständigkeit, Leistung.
Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg beschreibt Hygienefaktoren und Motivationsfaktoren. Zu den Motivationsfaktoren zählen Entwicklungsmöglichkeiten, Anerkennung, Arbeitsaufgaben, Verantwortung und Karrieremöglichkeiten, die, wenn vorhanden, die Mitarbeiter zu optimalem Arbeitseinsatz motivieren können. Zu den Hygienefaktoren gehören beispielsweise angemessener Lohn, ansprechende Arbeitsumgebung, Personalpolitik und Status, die alleine nicht motivierend wirken, aber bei vorhandenen Defiziten Unzufriedenheit auslösen können. (Grimsmö, 2006, S. 283-284)
Die 1964 von Victor H. Vroom begründete VIE-Theorie geht davon aus, dass für eine Person mehrere Anreize und Handlungsalternativen für die Erreichung eines Zieles attraktiv sein können. Das Modell beruht auf den drei zentralen Elementen Valenz, Instrumentalität und Erwartung, die multiplikativ miteinander verknüpft sind. Die Variable Erwartung bezieht sich auf die Ergebniserwartung, also darauf, wie wahrscheinlich es ist, ein bestimmtes Arbeitsergebnis durch eigene Anstrengung erreichen zu können. Valenz beschreibt Bewertung der Folgen, sowohl positiv als auch negativ, welche durch die jeweiligen Motive des Menschen beeinflusst wird. Instrumentalität bezieht sich letztendlich auf die Wahrscheinlichkeit bestimmter Folgen des Arbeitsergebnisses. Die VIE-Theorie liefert somit wichtige Heuristiken für den Prozess der Mitarbeitermotivierung. (Kanning & Staufenbiel, 2014a, S. 65-66)
Die Auseinandersetzung mit den Motiven der Mitarbeiter, was sie antreibt und motiviert, ihre Kompetenzen im Sinne der Organisation einzusetzen, hat eine grundlegende Bedeutung für ein Unternehmen.
1Abhängig davon, ob man innere Faktoren (z.B. biologische Mangelzustände, psychologische Triebe) oder äußere, situationale Faktoren (z.B. Belohnung, Bonus) betont (Übers. v. Verf.)

torsdag 11. januar 2018

psycholexikalische Ansätze


Psycholexikalische Ansätze gehen davon aus, dass die menschliche Sprache für alle persönlichen Eigenschaften, die bedeutsam, interessant oder nützlich sind, im Laufe der Zeit spezielle Wörter entwickelt. Mit ansteigender Wichtigkeit der Eigenschaften, steigt auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein gesondertes Wort hervorgebracht wird, und sich somit auch im Wortschatz der jeweiligen Sprache wiederfindet. Allport und Odbert (1936) waren Vertreter der psycholoexikalischen Ansätze und stellten Wortlisten zur Beschreibung von Persönlichkeitsdimensionen auf. Raymond B. Cattell (1945) bearbeitete die ursprünglichen Listen von Allport und Odbert weiter und reduzierte sie, in dem Versuch die Hauptdimensionen zu identifizieren, mittels faktorenanalytischer Verfahren. In den 1980er Jahren gelang dank statistischer Verfahren der EDV die Integration der von Allport und Odbert aufgestellten und von Cattell reduzierten Wörterlisten. Es wurden die Big-Five, also die 5 Grunddimensionen der Persönlichkeit, identifiziert. Das Fünf-Faktoren Modell von Costa und McCrae (1997) ist das derzeit wohl populärste Modell in dieser Kategorie der Persönlichkeitsforschung.
Laut dem Fünf-Faktoren Modell von Costa und McCrae (1997) sind die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen, die von Goldberg (1981) ebenfalls als die „Big-Five“ bezeichnet wurden. Ein Fragebogen zur Erfassung der Big-Five Faktoren ist das NEO Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae. Die oben angeführten Faktoren sind sehr breit konzipiert, es handelt sich also um sehr abstrakte Beschreibungsdimensionen. Dadurch ermöglicht der facettenorientierte Ansatz des NEO-Persönlichkeitsinventars eine gezielte Analyse der individuellen Binnenstruktur eines Persönlichkeitsbereiches. (Rammsayer & Weber, 2016b, S.102) Das NEO-Persönlichkeitsinventar ist als rein beschreibend anzusehen, es ist Anwendung und Ergebnis eines statistischen Verfahrens, der Faktorenanalyse. Die Ursachen und Wirkung sowie die Entstehung von Unterschieden in den einzelnen Persönlichkeitsdimensionen werden nicht untersucht. Jeder erhobene Persönlichkeitsbereich wird durch Subskalen repräsentiert, die die spezifischen Facetten der jeweiligen Persönlichkeitsdimensionen erfassen sollen. Das NEO-Persönlichkeitsinventar beschreibt sechs Facetten von Extraversion, die angeben, wie Energie in die Außenwelt investiert wird. Die Facetten Herzlichkeit, Geselligkeit und Durchsetzungsfähigkeit beziehen sich auf die Energie, die in den zwischenmenschlichen Bereich investiert wird, während die Facetten Aktivität, Erlebnishunger und Frohsinn beschreiben, wie und in welchem Ausmaß Energie in die äußere Umwelt, außerhalb von zwischenmenschlichen Beziehungen investiert wird. (Lord, 2011, S.27) Das untere Ende der Extraversionsfacette, wird als geringe Ausprägung des gemessenen Merkmals interpretiert, anstatt als Gegenteil. Ein niedriger Wert in Herzlichkeit bedeutet also, dass wenig Energie in zwischenmenschliche Beziehungen investiert wird. Das heißt also, dass weniger Freundlichkeit und Herzlichkeit in der Interaktion mit anderen Personen, nicht aber gleichzeitig mehr Feindseligkeit oder Desinteresse festgestellt werden kann.

neuropsychobiologische Theorie der Extraversion nach Depue und Collins


In den letzten Jahren wird zunehmend das dopanminerge Neurotransmittersystem als ein mögliches biologisches Substrat der Persönlichkeitsdimension Extraversion diskutiert.“ (Rammsayer & Weber, 2016b, S.98) Dieser Ansatz kommt Eysencks Arousal-Theorie sehr nahe, denn Dopamin Neuronen gelten als wichtigste Bestandteile des ARAS. Außerdem haben Dopamin Neuronen weniger spezifische Funktionen inne, als andere Neuronen, sie dienen also als eine Art generelles Regulationssystem für verschiedene Aspekte der Aktivierung. In Experimenten finden sich Hinweise auf eine höhere dopaminerge Sensitivität bei Introvertierten, als bei Extravertierten. (Rammsayer & Weber, 2016b, S.98) In der neuropsychobiologischen Theorie der Extraversion definierten Depue und Collins (1999) Extraversion als Vorhandensein der zwei Charakteristika „interpersonal engagement“ und „impulsivity“. Interpersonal engangement beinhaltet wiederum die Charakteristika affiliation und agency. „Affiliation means enjoying and being receptive to the company of others and agency means seeking social dominance and leadership roles, and being motivated to achieve goals.” (Depue & Collins, 1999) Agentische Extraversion hängt mit dem mesocorticolimbischen Dopaminsystem zusammen, was zu beobachtbaren interindividuellen Unterschieden in Anreizmotivation und kognitiv-behavioraler Flexibilität führt. (Chavnanon, 2011) Extravertierte sind demnach empfänglicher für Belohnungen als für Bestrafungen, wohingegen Introvertierte wiederum empfänglicher für Bestrafungen, als für Belohnungen sind. Laut Depue sind Personen motivierter Ziele zu erreichen und bemühen sich verstärkt um Belohnungen, wenn das Dopmaninsystem aktiviert ist und zeigen folglich verstärkt extravertierte Verhaltensweisen und positive Emotionen. Das von Jan Wacker postulierte psychobiologische Persönlichkeitsmodell (2005) erlaubt die Ableitung von Hypothesen für EEG Untersuchungen. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen von Wacker, Chavanon und Stemmler (2006) stützen den Zusammenhang zwischen agentischer Extraversion und dem dopaminergen System. „The present findings provide evidence of a neuroanatomical distinction between the predispositions toward agentic and affiliative extraversion in healthy adults” (Grodin & White, 2015)

Hans Jürgen Eysenck – Hemmungstheorie und Arousal-Theorie der Extraversion


Viele Psychologen haben Persönlichkeitszüge und Persönlichkeit definiert und gemessen. Hans Jürgen Eysenck (1916-1997), als einer der einflussreichsten Vertreter der Persönlichkeitsforschung, fokussierte mehr auf das gesamte Temperament eines Menschen als auf einzelne Charakterzüge. Er war Biologe und glaubte wie Galen und Hippokrates, dass physiologische Faktoren das Temperament eines Menschen beeinflussen. Hippokrates postulierte, dass die Persönlichkeitstypen aufgrund von Mangel oder Überschuss von bestimmten Körperflüssigkeiten entstehen. Galen baute auf dieser Theorie auf und benannte die vier Temperamentstypen Sanguiniker, Choleriker, Phlegmatiker und Melancholiker. Galens Theorie, mit ihrer physiologischen Herangehensweise, sprach Eysenck an, der ebenfalls der Überzeugung war, dass das Temperament eines Menschen physiologisch, genetisch und durch die ihn umgebende Umwelt bestimmt wird. Eysenck vermutete die biologischen Grundlagen für die Typendimensionen in individuellen Unterschieden in neurophysiologischen Erregungs- und Hemmungsprozessen und strebte die Entwicklung einer experimentell-empirisch prüfbaren, biologisch fundierten Theorie, grundlegender Persönlichkeitsmerkmale an. Extraversion nach Eysenck wird definiert als bipolare Dimension mit den Extrempolen Extraversion und Introversion. Extravertierte Personen sind demnach gesellig, lebhaft, aktiv, unternehmenslustig, selbstsicher, sorglos, optimistisch und aufbrausend, wohingegen introvertierte Personen als zurückaltend, schweigsam, verschlossen, introspektiv, zurückgezogen gesehen werden, die ihre Gefühle unter Kontrolle halten und gern voraus planen. Nach Eysenck stellt die Dimension Extraversion neben den Dimensionen Neurotizismus und Psychotizismus eine übergeordnete Persönlichkeitsdimension dar, die eine hierarchische Binnenstruktur aufweist. Extraversion setzt sich aus vier Hierarchieebenen zusammen. Das Verhalten einer Person in einer bestimmten Situation, also das konkrete Verhalten einer Person in einer ganz spezifischen Situation, stellt die erste Hierarchieebene dar (z.B. Eine Person tritt lebhaft in einer Diskussion auf). In der zweiten Ebene befindet sich das Verhalten einer Person in ähnlichen Situationen. Ist das Verhalten einer Person über ähnliche Situationen hinweg konstant handelt es sich um eine Gewohnheit (z.B. Eine Person tritt immer in Diskussionen lebhaft auf). Von einem Persönlichkeitsmerkmal wird gesprochen, wenn das Verhalten einer Person über verschiedene Situationen hinweg konstant ist, was der dritten Hierarchieebene entspricht (z.B. Eine Person tritt über unterschiedliche Situationen hinweg lebhaft auf, auch außerhalb von Diskussionssituationen). Die Persönlichkeitsmerkmale werden als Faktoren erster Ebene, als Primärfaktoren, bezeichnet. Korrelieren die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale positiv miteinander, haben sie also eine hohe Ausprägung, ist die Ausprägung der jeweiligen Persönlichkeitsdimension hoch (Hierarchieebene vier) wird z.B. eine Person als kontaktfreudig, aktiv und lebhaft beschrieben, ist die Ausprägung der Dimension Extraversion hoch. (Rammsayer & Weber, 2016b, S.94) Eysenck betonte die Bedeutung von Fragebögen, zusätzlich zu experimentellen Untersuchungsstrategien und war der Auffassung, dass sich beide Methoden ergänzen. Die fragebogenbasierenden Methoden stellen einen korrelativen Ansatz dar, mit dem Ziel interindividuelle Differenzen zu erfassen. Experimentelle Methoden sollen interessierende Variablen gezielt manipulieren.

1.2.1 Die Hemmungs-Theorie der Extraversion

Eysencks Hemmungstheorie der Extraversion von 1957 dient gemeinsam mit der Arousal-Theorie der Extraversion zur biologischen Einbettung der Extraversion und basiert auf Pawlows Konzept der Erregung und Hemmung (1927) und dessen Weiterentwicklung durch Hull (1943). Eysenck nahm an, dass extravertierte Personen zur Ausbildung schnell aufgebauter intensiver und langsam abklingender inhibitorischer Potenziale und schwacher exzitatorischer Potenziale neigen, wohingegen Introvertierte, nach Eysenck zur Ausbildung starker, lang anhaltender exzitatorischer und langsam einsetzender, schwacher inhibitorischer Potenziale neigen. Untersuchungen zum Reminiszenz- und Konsolodierungseffekt zeigten bei extravertierten Versuchspersonen, einen höheren Leistungszuwachs als bei introvertierten, was durch den Auf- und Abbau leistungshemmender inhibitorischer Potenziale erklärt wurde, die bei Extravertierten schneller erfolgen sollte, als bei Introvertierten und daher eine größere Leistungssteigerung bei den extravertierten Versuchspersonen bedingen sollte. (Rammsayer & Weber, 2016b, S.96) Die Hemmungstheorie der Extraversion hat sich etwas später als unzulänglich erwiesen, da das Hemmungskonzept unklar blieb, das Erregungs- und Hemmungsgleichgewicht lediglich eindimensional war und keine Annahmen über das zentralnervöse System als Grundlage für Unterschiede in den individuellen Extraversionsniveaus gestellt wurden. Aufgrund dieser Kritikpunkte entwickelte Eysenck 1967 die Arousaltheorie der Extraversion.

1.2.2 die Arousal-Theorie der Extraversion

Die Arousal-Theorie der Extraversion ist ein modifiziertes biologisches Extraversionsmodell und basiert auf weniger Zusatzannahmen als die Hemmungstheorie. Außerdem gibt es mehr experimentelle Befunde zu Verhaltensunterschieden. „Nach Eysencks Vorstellung löst afferenter sensorischer Input im ARAS neuronale Aktivität aus, die ihrerseits zu einer Erregungszunahme in verschiedenen kortikalen Hirnregionen führt.“ (Rammsayer & Weber, 2016b, S.97) Demnach postuliert die Arousal-Theorie also das ARAS (aufsteigendes retikuläres Aktivierungssystem), das im Hirnstamm lokalisiert ist und ein komplexes neuronales Netzwerk darstellt, als neuroanatomisches Substrat der Extraversion. Laut der Arousal-Theorie unterscheiden sich Introvertierte und Extravertierte in ihrem generellem Aktivierungsniveau. Introvertierte sind demnach grundsätzlich stärker habituell aktiviert und haben eine niedrigere Erregungsschwelle, als Extravertierte, sie weisen also eine größere Responsivität gegenüber sensorischer Stimulation auf und bereits schwache Reize können das ARAS überschwellig erregen. (Rammsayer & Weber, 2016b, S. 97f.) Introvertierte sind folglich chronisch reizüberflutet, erreichen ihr optimales Erregungsniveau zeitiger und versuchen aufgrund dessen, Situationen mit zu starker Stimulation zu vermeiden. Bei Extravertierten vermutete Eysenck hingegen eine höhere Erregungsschwelle des ARAS. Extravertierte erleben folglich verminderte Erregungsprozesse durch die Umwelt, in Verbindung mit hemmenden Impulsen des Körpers. Demzufolge suchen extravertierte Personen verstärkt nach Situationen mit hoher Stimulation. Diese Annahmen wurden mittels verschiedener psychophysiologischer Verfahren, wie Untersuchungen zur EEG Hintergrundaktivität, ereigniskorrelierten Potenzialen (z.B. N100, P300-Komponente) und mittels Magnetresonanztomografie, nachgewiesen. (Rammsayer & Weber 2016b; Rammsayer & Weber, 2016c; Kumari, Ffytche, Williams & Gray, 2004)

Carl Gustav Jungs Theorie der Persönlichkeitstypen


Carl Gustav Jung (1875-1961) unterteilte Menschen in zwei Einstellungstypen, die er als Introversion und Extraversion bezeichnet. „Jung skiller mellom to forskjellige holdninger til livet, to måter å reagere på i bestemte situasjoner, og disse finner han tilstrekkelig markert og utbredt til å beskrive som typiske.“1 (Fordham, 1964, S.27) Die extravertierte Person ist demnach vor allem nach Außen orientiert, die introvertierte Person hingegen, wird von inneren, subjektiven Faktoren gelenkt. Introvertierte Personen orientieren sich also vornehmlich an ihrer eigenen Innenwelt. (Hyde & McGuinness, 1996, S.77) „Introversjon er vanligvis kjennetegnet ved en innadvendt, nølende, reflekterende og tilbaketrukket natur, som holder seg for seg selv, og som alltid er litt på defensiven“2 (Sharp, 1992, S. 12) „Ekstraversjon er derimot karakterisert ved en utadvendt, åpen og imøtekommende natur, som raskt tilpasser seg situasjoner, som lett binder seg til ting og folk og som med en ofte uforsiktig selvsikkerhet skyver all tvil til side“.3 (Sharp, 1992, S.13) Zusätzlich zu den Einstellungstypen Extraversion und Introversion, verwendet Jung noch 4 Bewusstseinstypen, die Gegensatzpaare Denken und Fühlen, sowie Empfinden und Intuition, in seiner Typologie. In Kombination mit den Einstellungstypen ergeben sich 8 psychologische Typen, die Jung in seiner Persönlichkeitstypologie näher beschreibt und denen er bestimmte Charaktereigenschaften zuweist. Der extravertierte Denktyp ist demnach charakterisiert durch Objektivität und Produktivität, der extravertierte Fühltyp wird als kontaktfreudig, angepasst und konventionell beschrieben. Der extravertierte Empfindungstyp ist als realistisch, kritiklos und genussorientiert, der extravertierte Intuitionstyp wird hingegen als spekulativ und inspirierend charakterisiert. Parallel zu den Typen der Extraversion, finden sich die gegensätzlichen Charaktereigenschaften bei den jeweiligen Introversionstypen. So wird der introvertierte Denktyp als kreativ und wirklicheitsfremd, der introvertierte Fühltyp als still, unzugänglich und tiefgründig, der introvertierte Empfindungstyp als verschlossen und passiv und der introvertierte Intuitionstyp als visionär und künstlerisch charakterisiert. („Das Resultat psychischer Intution“, 05.12.2017) Jung sah sowohl introvertierte als auch extravertierte Personen, als normale gesunde Mitglieder der Gesellschaft an, die jeweils konstitutionell disponiert sind, ihre Umwelt unterschiedlich zu erleben. (Bennett, 2002, S.51) In Jungs Persönlichkeitspsychologie, finden sich auch keinerlei Hinweise auf körperliche Charakteristika der unterschiedlichen Persönlichkeitstypen, wie sie in anderen, früheren Persönlichkeits-Typologien zu finden sind. (Bennett, 2002, S.56) Auch sieht Jung die Persönlichkeitstypen zwar als relativ stabil über die Zeit, aber nicht als unveränderlich, an, demnach kann eine junge Person die eher introvertiert ist, im Alter vielleicht den Extravertierten zugeordnet werden.
Basierend auf Jungs Theorie der Persönlichkeitstypen entwickelten Katherine Briggs (1875-1968) und ihre Tochter Isabel Myers (1897-1980) Einzelfragen um die einzelnen Persönlichkeitstypen erfassbar und nachweisbar machen zu können. Der Myers-Briggs-Typen-Indikator (MBTI) ist heute einer der am meisten genutzte Persönlichkeitstests. Die Einzelfragen des Tests sollen sowohl die Einstellungsdimensionen Extraversion (E) und Introversion (I) als auch die Bewusstseinsfunktionspaare Denken (T) und Fühlen (F) sowie Empfinden (S) und Intuition (N) erfassen. Außerdem wurde durch die Autorinnen eine 4. Dimension eingeführt, das Gegensatzpaar Urteilen (J) und anpassendes Wahrnehmen (P). Die Dimension Extraversion – Introversion erfasst, ob eine Person von ihrer äußeren Umwelt oder durch ihre innerer Erlebenswelt motiviert ist. Die Dimension Empfinden – Intuition soll erfassen, wie eine Person die Umwelt wahrnimmt. Der S-Typ achtet dabei auf Fakten und Details und die Realitäten des Hier und Jetzt, wohingegen der sich N-Typ eher auf die Verbindung zwischen Fakten, Vorstellungen und Ideen konzentriert. Die Dimension Denken – Fühlen erfasst die Form der Entscheidungsfindung einer Person. Der T-Typ entscheidet auf Grundlage von Fakten logisch, ruhig und analytisch. Der F-Typ hingegen trifft Entscheidungen hauptsächlich aufgrund emotionaler Eindrücke, ist eher sensibel und mitfühlend und lässt sich von der situativen Stimmung beeinflussen. Die Dimension Beurteilen – anpassendes Wahrnehmen erfasst Entscheidungssituationen in denen sich jemand besonders wohl fühlt. Während der J-Typ strukturierte, vorhersagbare Umgebungen bevorzugt, und sich vorsichtiger und teilweise gehemmter verhält, fühlt sich der P-Typ eher in offenen, flexiblen Umgebungen wohl, ist spontaner und handelt manchmal sorglos. Aus den Kombinationen der Dimensionen ergeben sich 16 Typen, jede Person kann also einem Persönlichkeitstyp zugeordnet werden, der mit 4 Buchstaben bezeichnet ist, die jeweils einem der Gegensatzpaare entsprechen (z.B. INFP). C.G. Jung ordnete jeder Person einer der Kategorien eindeutig zu, dementsprechend verwendet der darauf basierende MBTI keine kontinuierlichen Skalen, sondern dichotome Variablen in jeder der Persönlichkeitsimensionen, eine Person ist also entweder introvertiert oder extravertiert. Vereinfachte Versionen des MBTI sind kostenlos im Internet zugänglich, im Original ist das MBTI allerdings streng urheberrechtlich geschützt.
1Jung unterscheidet zwischen zwei Haltungen zum Leben, zwei Arten in bestimmten Situationen zu reagieren, und die findet er ausreichend markant und verbreitet, um sie als typisch zu beschreiben. (Übers. v. Verf.)
2Introversion ist normalerweise gekennzeichnet durch eine nach Innen gewandte, zögerliche, reflektierende und zurückgezogene Natur, die allein bleibt und immer ein bisschen defensiv ist. (Übers. v. Verf.)
3Extraversion hingegen, ist charakterisiert durch eine nach Außen gewandte, offene und entgegenkommende Natur, die sich rasch an Situationen anpasst, sich leicht an Dinge und Menschen bindet und mit einer oft unvorsichtigen Selbstsicherheit, jeglichen Zweifel ignoriert. (Übers. v. Verf.)

onsdag 14. juni 2017

Zusammenfassende Diskussion und Ausblick

Zusammenfassende Diskussion und Ausblick

  • DIN-Ansatz als neuer Ansatz der Qualitätssicherung
  • DIN 33430 und die Folgeinitiativen
    • Checklisten
    • Fortbildungen
    • Zertifikate
    • Lizenzprüfungen
    • Anwendung der DIN 33430 auf Testbeurteilungen
  • Orientierung am Bedarf der Praxis durch die DIN
    • Transfer von Kenntnissen der Wissenschaft
    • Verpflichtung auf Informations- und Feedbackansatz
  • Zielstrebigkeit, der diagnostischen Akteure soll entsprechend der Goal Settin Theory durch die Formulierung von
    • anspruchsvollen
    • spezifischen
    • konkreten
    • positiv formulierten Zielen, die
    • in zeitlicher Nähe liegen
    gefördert werden
  • die Bildung derartiger Ziele wird durch die DIN selbst sowie durch Checklisten zur DIN 33430 unterstützt
  • die Checklisten, Lizenzprüfungen, Zertifizierungen eröffnen den Diagnostikern darüber hinaus die Möglichkeit, ein unmittelbares Feedback über die Qualität ihrer Kenntnisse und / oder Prozesse zu erhalten
  • das zukünftige Arbeitsprogramm sieht die folgenden 12 Elemente vor
    1. die eignungsdiagnostische Leistung sollte zukünftig stärker mit sozialer und wissenschaftlicher Anerkennung verknüpft werden → Anerkennung und Wettbewerb
    2. ein erfolgskritischer Punkt ist die Kommunikation der DIN 33430 und ihrer Begleit- und Folgeinitiativen. Es ist wenig hilfreich, ständig Defizite der diagnostischen Praxis in einer Weise zu adressieren, die als scharfe Kritik und Herabsetzung empfunden wird. Herabsetzende Kritik erhöht das Bedürfnis nach Selbstschutz und Reaktanz. Als Reaktanz vermindernd sieht Klehe (2004) hingegen eine explizite Kombination (balancing) der bislang geübten Praxis mit neuen, qualitativ hochwertigen Methoden. Die DIN 33430 sollte in der Praxis als eine Chance und Ressource und nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Zielgruppe der Kommunikation sind alle im Bereich der Eignungsdiagnostik tätigen Personen → Kommunikation
    3. um den Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis zu verbessern und zu verstetigen, müssen Wissenschaftler in ihrem System Anerkennung finden, wenn sie sich für einen entsprechenden Transfer engagieren. Die angewandten Wissenschaften und die Grundlagenwissenschaften sind dabei als gleichwertig wertvoll anzusehen. → mehr Pluralismus in der Wissenschaft
    4. Notwendig ist der Ausbau des Angebots an postgradualen Weiterbildungen für Psychologen einerseits und einer Qualifizierung von Nichtpsychologen andererseits im Sinne der Fortbildungs- und Prüfungsordnung zur Personenlizensierung für berufsbezogene Eignungsbeurteilungen nach der DIN 33430 der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen → Fortbildung und postgraduale Weiterbildung
    5. eine große Gefahr geht von unseriösen Zertifizierern aus, die aus eigenwirtschaftlichen Interessen minderwertige Qualität mit dem Mantel der DIN-Kompatibilität beschönigen → Präsenz bei Zertifizierungsverfahren
    6. das neue Testbeurteilungssystem des Testkuratoriums der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen welches die DIN 33430 einbezieht und somit die DIN 33430 über den Anwendungsbereich der Eignungsdiagnostik hinaus nutzt bedarf der Etablierung und gesellschaftlichen Kommunikation → Informationen und Beurteilungen von Tests
    7. neben dem deutschsprachigen Informationssystem über Tests wird ein Publikationsforum für anwendungsorientierte diagnostische Arbeiten benötigt, das idealerweise unbeschränkt und online zugänglich sein sollte → Publikationsforum für Diagnostik
    8. hilfreich wäre die Einrichtung einer Organisation, die Anwender, Diagnostikanden und berechtigte Interessenten in allen Fragen der Psychodiagnostik neutral berät, als Ombudsmann fungiert und die insgesamt in Deutschland vergleichbare Aufgaben wahrnehmen kann wie der Educational Testing Service in Nordamerika oder die National Foundation for Educational Research in Großbritannien → Institutionalisierung
    9. andere Anwendungsbereiche der psychologischen Diagnostik sind aufgerufen zu prüfen, ob sie neben den testbezogenen Aussagen auch weitere Elemente oder Grundgedanken der eignungsdiagnostisch orientierten DIN 33430 nutzen können → DIN 33430 nicht nur für Eignungsdiagnostik
    10. die DIN 33430 selbst bedarf langfristig einer Überarbeitung, die vor allem eindeutiger definiert, was unter Verfahren zu verstehen ist. Gegebenenfalls sollten die einzelnen Anforderungen verfahrensspezifisch formuliert werden, selbst wenn damit Redundanzen einhergehen → Überarbeitung der DIN 33430
    11. bevor man die nationale Norm optimiert, sind die Möglichkeiten und Grenzen einer internationalen Harmonisierung der weltweiten Initiativen zur Qualitätssicherung und -optimierung im Bereich der psychologischen Diagnostik auszuloten → Internationalisierung
    12. dringender Forschungsbedarf besteht hinsichtlich des Verhaltens der für die Auswahl diagnostischer Verfahren und Prozesse zuständigen Entscheider. Die zukünftige Forschung sollte die vorhandene oder fehlende Rationalität der diagnostischen Entscheider systematisch ausloten und dabei die Beziehungen des Entscheidungsverhaltens zu differentiell-psychologischen sowie organisationalen Variablen herausarbeiten → Psychologie der Personaler