mandag 29. august 2016

Eindrucksbildung und Verarbeitung von Gesichtern

Eindrucksbildung und Verarbeitung von Gesichtern

  • Attraktiven Menschen werden mehr positive Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben →Verarbeitung von Gesichtern hat hohe soziale Relevanz
  • hollistische Verarbeitung von Gesichtern
    • Gesichter werden in ihrer Gesamtheit wahrgenommen und verarbeitet → in Gesamtheit als komplexer Stimulus (hollistisch) wahrgenommen und verarbeitet
  • soziale Wahrnehmung von Gesichtern
    • Durchschnittsgesichter werden als am attraktivsten wahrgenommen → Gesichter, die symmetrisch sind und nur wenig vom Durchschnitt abweichen
    • Attraktivität kann noch erhöht werden wenn bestimmte Gesichtszüge besonders betont werden → Wangenknochen bei Frauen, Kinn beim Männern
    • unattraktiven Menschen werden verstärkt negative Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben
  • Gedächtnis und Gesichter
    • Unterscheidung von Gesichtern anhand mehrerer Dimensionen
    • Ähnliche Gesichter sind sich auf diesen Dimensionen näher, unterschiedliche Gesichter sind weiter voneinander entfernt
    • Own-race-bias → Gesichter von Angehörigen der eigenen Hautfarbe werden besser erkannt → Menschen haben meist mit Personen der eigenen Hautfarbe und der gleichen Altersgruppe verstärkt zu tun
  • soziale Wahrnehmungen und Attributionen werden nicht nur als Selbstzweck vorgenommen, sondern sind auch wesentlicher Bestandteil des gesamten gesellschaftlichen Lebens
  • soziale Wahrnehmung bestimmt mit darüber ob man mit bestimmten Menschen kooperieren möchte oder nicht, ob bestimmte Personen erfolgreich sind oder ob bestimmte Personen ausgeschlossen werden
  • auch das Schicksal ganzer Personengruppen kann davon abhängen, wie sie von anderen Personen wahrgenommen werden

Attributionstheorien

Attributionstheorien

  • Theorien der korrespondierenden Schlussfolgerung
    • erklärt wie Menschen darauf schließen, dass das Verhalten einer Person mit der jeweiligen Persönlichkeitseigenschaft korrespondiert
    • es ist sehr wahrscheinlich, dass Menschen eine korrespondierende Schlussfolgerung treffen wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
      • eine Person hat das Verhalten freiwillig ausgeführt (free choice)
      • das Verhalten führt zu einer kleinen Anzahl von verschiedenen Effekten (outcome bias) → führen Verhalten A und B zu ähnlichen Effekten besteht wenig Vorhersagekraft
      • das Verhalten ist sozial wenig erwünscht, zeigt eine Person sozial erwünschte Verhaltensweisen, hat das wenig Aussagekraft über die zugrundeliegenden persönlichen Dispositionen der Person (social desirability)
      • das Verhalten bringt große Konsequenzen für die ausführende Person mit sich (hedonic relevance)
      • bei einem Verhalten ist direkt intendiert, dass es einer anderen Person schadet oder hilft (personalism)
  • Kelleys Kovariationsmodell
    • Menschen ziehen nicht nur eine, sondern mehrere Informationen heran, wenn sich sich einen Eindruck von der anderen Person bilden
    • drei Arten von Informationen
    1. Konsensusinformationen → wie verhalten sich andere Personen zum gleichen Stimulus?
    2. Konsistenzinformation → wie oft wurde das Verhalten zwischen dem gleichen Akteur und dem gleichen Stimulus beobachtet?
    3. Distinktheitsinformation → wie reagiert der Akteur auf andere Stimuli?
    • Nach dem Kovariationsmodell kann man eine klare Kausalattribution vornehmen wenn die drei Informationsquellen in Beziehung gesetzt werden
    • Menschen schreiben das Verhalten des Akteurs der Person des Akteurs zu (internale Attribution) wenn Konsensus und Distinktheit gering und die Konsistenz dabei hoch ist
    • sind alle drei Aspekte hoch erfolgt eine externale Attribution
    • ist die Konsistenz gering, kann keine klare Kausalattribution (internal vs. external) vorgenommen werden
  • Korrespondenzverzerrungen
    • Menschen attribuieren nicht rational
    • der fundamentale Attributionsfehler:
      • Phänomen, das Verhalten von anderen Menschen überproportional und mehr als gerechtfertigt auf die Person (internal) des Akteurs zu attribuieren
      • Wichtigkeit und Einfluss der Situation wird oft unterschätzt → Korrespondenzverzerrung
    • Ursachen des fundamentalen Attributionsfehlers
      • es ist einfacher ein Verhalten auf die Persönlichkeit einer Person zurückzuführen statt auf die Situation
      • wir sehen meist nur das Verhalten unserer Mitmenschen und kennen nur selten deren eigentliche Beweggründe
  • Unterschiede zwischen handelnden Personen und Beobachtern
    • handelnde Personen und Beobachter attribuieren Verhalten meist unterschiedlich
    • Handelnde attribuieren ihr eigenes Verhalten meist eher auf externale Faktoren, während Beobachter das Verhalten meist auf internale Faktoren der Person attribuieren → Akteur-Beobachter-Fehler
    • Unterschiede lassen sich durch die unterschiedliche Fokussierung der Aufmerksamkeit erklären → unterschiedliche Wahrnehmungsperspektive

Naive Theorien: der Mensch als naiver Laienwissenschaftler

Naive Theorien: der Mensch als naiver Laienwissenschaftler

  • Menschen haben ein starkes Bedürfnis, die Ursachen für das Verhalten ihrer Mitmenschen zu ergründen, um ihre Umwelt besser zu verstehen und vorherzusagen → Mensch als naiver Laienwissenschaftler, der sich nach gesundem Menschenverstand psychologische Theorien bildet
  • drei Prinzipien der naiven Psychologie:
    1. weil Menschen denken, dass ihr eigenes Verhalten auf Motive zurückzuführen ist, versuchen sie, auch die Ursachen und Gründe für das Verhalten von anderen zu ergründen, um deren Motive zu erschließen → haben das Bedürfnis Verhalten kausal zu erklären
    2. Menschen suchen bei der Konstruktion ihrer Theorien vorwiegend nach stabilen überdauernden Entitäten ihrer Umwelt wie Persönlichkeitseigenschaften oder Fähigkeiten
    3. das Attribuieren auf Persönlichkeitsfaktoren wird auch als internale (dispositionale) Attribution, das Attribuieren auf situative Faktoren als externale (situationale) Attribution bezeichnet. Weil Menschen internale Gründe und Intentionen von anderen Menschen nicht klar wahrnehmen können, können Menschen nur auf internale Faktoren schließen wenn externale Faktoren ausgeschlossen werden können
  • Menschen bauen ihre Theorien über andere auf den Informationen auf, die ihnen zur Verfügung stehen → nicht alle Merkmale einer Personen wirken sich gleich auf den wahrgenommenen Gesamteindruck aus

physische Attraktivität

physische Attraktivität

Stereotyp der Schönheit

  • der erste Eindruck, der in Abhängigkeit vom Aussehen zustande kommt, folgt einem kulturellen Schönheitsstereotyp, das sozial wünschbare Persönlichkeitsmerkmale enthält
  • was schön ist, ist gut“ → gut aussehende Personen bei Merkmalen wie Wärme, Ausgeglichenheit, Kultiviertheit, Kompetenz, beruflicher Status, soziales und berufliches Glück in der Zukunft besser beurteilt
  • physische Attraktivität besonders bei Einschätzung sozialer Kompetenz und sozialer Fähigkeiten wirksam
  • kaum Auswirkungen auf die Bereiche der sozialen Anpassung, intellektueller Fähigkeiten, sozialer Dominanz und Ehrlichkeit
  • hoch attraktive Frauen werden eher mit außerehelichen Beziehungen in Verbindung gebracht, und es wird eher eine materialistische Orientierung unterstellt
  • bei physisch attraktiven Personen wird auch die Kompetenz als Eltern in Frage gestellt
    dunkle Seite des Stereotyps der Schönheit
  • physische Attraktivität, soziale Kompetenz und Persönlichkeit
    • Wahrheitskern des Schönheitsstereotyps → physisch attraktive Menschen besitzen tatsächlich größere soziale Kompetenzen als weniger attraktive Menschen; Selbsteinschätzung sozialer Kompetenz ist bei Personen mit hoher physischer Attraktivität höher ausgeprägt
    größeres Selbstwertgefühl führt zu positiverem Selbstkonzept → umfasst Wahrnehmung der eigenen Attraktivität
  • sich-selbst-erfüllende Prophezeiung
    • physische Attraktivität ruft einen Bestätigungsprozess hervor
    • attraktive Person steht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und ist dadurch besser in der Lage soziale Kompetenzen zu erwerben → Stereotyp der Schönheit erzeugt eine eigene soziale Realität
    • Männer, die mit einer schönen Frau sprechen verhalten sich geselliger und sexuell wärmer → Schlüsselfaktor dafür, dass die Frauen sich reziprok verhalten
    • das physische Aussehen einer Person beeinflusst in Übereinstimmung mit dem Stereotyp der Schönheit den Verlauf der Interaktion
    • physische Attraktivität ist eine wichtige Determinante des interpersonellen Mögens
  • Erklärung der Evolutionspsychologie
    • physische Attraktivität dient als Hinweisreiz auf Gesundheit → anziehende Wirkung physischer Attraktivität tritt bei Männern und Frauen auf

Gesichtsattraktivität

  • Kindchenschema → führt tendenziell dazu, dass der Beurteiler eine hohe Attraktivität wahrnimmt
  • Reifemerkmale → deutlich erkennbare Wangenknochen, schmale Wangen, im männlichen Gesicht durch großen Kinnbereich ergänzt
  • expressive Merkmale → hohe Augenbrauen, große Pupillen (→ vor allem bei Frauen), breites, ausdrucksvolles Lächeln (→ bei Männern und Frauen)
  • Kulturvergleiche zeigen universelle Verbreitung von Schönheitsidealen → Grundlage für die Wirkung der physischen Attraktivität ist in der Evolution zu suchen
  • genereller Alterstrend → jüngere erscheinen attraktiver als ältere
  • Eindruck der Kindlichkeit nimmt im Alter kontinuierlich ab → physische Attraktivität als Hinweisreiz aus Reproduktionsfähigkeit
  • Kindchenschema als angeborener Auslöser für Fürsorglichkeit → biologische Funktion; weit auseinander liegende Augen, hohe Augenbrauen, schmale Nasenbrücke, rundes Gesicht
  • soziale Eindrucksbildung
    • Babyface-Index hängt mit sozialer Eindrucksbildung zusammen
      • höhere Werte der wahrgenommenen Attraktivität
      • Eindruck einer größeren sozialen Abhängigkeit, einer größeren intellektuellen Naivität und einer größeren physischen Schwäche
      • Assoziation mit mehr Wärme und größerer Ehrlichkeit
      • bei Frauen liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung sozialer Abhängigkeit, physischer Schwäche und intellektueller Naivität
    • Auswirkungen des Baby-face auf die Eindrucksbildung stellen eine Übergeneralisierung dar
  • Symmetrie des Gesichts
    • fluktuierende Asymmetrie wird auf verschiedene genetische und immunologische Störungen zurückgeführt → asymmetrische Gesichter mit ungünstigem Gesundheitsstatus verbunden
    • Gesichtssymmetrie ist aber kein eindeutiger Indikator der physischen Attraktivität → inkonsistente Ergebnisse → symmetrische Gesichter werden nicht immer als attraktiver beurteilt als asymmetrische Gesichter
    • Gesichtssymmetrie als Indikator für Persönlichkeitseigenschaften → asymmetrische Gesichter öfter mit Neurotizismus, weniger Gewissenhaftigkeit, weniger Verträglichkeit assoziiert; keine Unterschiede bei im Hinblick auf Extraversion
    • Symmetrie des Gesichts übt einen kausalen Einfluss auf die Persönlichkeitswahrnehmung aus
    • normale Gesichter werden genauso positiv oder positiver eingeschätzt als symmetrische Gesichter, ausgeprägte Asymmetrie beeinträchtigt allerdings den positiven Eindruck

Figurattraktivität

  • Waist-to-Hip-Ratio (WHR) beeinflusst die Eindrucksbildung
  • Attraktivität von Frauen am günstigsten beurteilt, wenn das WHR im Bereich von 0.7 liegt → Eindruck „jugendlich und sexy“
  • BMI ist aber besserer Prädiktor als WHR
  • relativ niedriger BMI im unteren Normalbereich ruft eine günstige Beurteilung der weiblichen Attraktivität hervor → verlässlicher Indikator für Gesundheit
  • das zugrunde liegende Schönheitsideal weicht von dem in den früheren Jahrhunderten ab → kulturelle und ökonomische Einflüsse sind verantwortlich
  • bei Männern günstigste Beurteilung der Attraktivität bei einem WHR im Bereich von 0.9 → Eindruck von Gesundheit, jugendlichem Aussehen, erotischer Ausstrahlung, physischer Attraktivität
  • V-Form des männlichen Oberkörpers bei mittlerem BMI als sehr attraktiv eingeschätzt (mehr in Westlichen, weniger in ostasiatischen Kulturen)

Auswirkungen der physischen Attraktivität

  • beruflicher Erfolg
    • Einkommenshöhe aus beruflicher Tätigkeit
      • Anfangsgehalt der Männer abhängig von phys. Attraktivität
      • gegenwärtiges Gehalt beeinflusst durch phys. Attraktivität bei Männern und Frauen
      • Benachteiligung von unattraktiv erscheinenden Menschen am Arbeitsplatz → für Männer stärker ausgeprägt als für Frauen
      • Attraktivitätseffekte weisen beachtliche Größe und Konsistenz auf
      • gutes Aussehen bringt finanzielle Vorteile → beim Aushandeln von Gehalt erreichen attraktive Menschen einen finanziellen Vorteil → Personalauswahl sollte dem entgegensteuern, indem objektive Fähigkeits- und Intelligenztests bei der Auswahl von Bewerbern verwendet werden
      • über attraktive Politiker berichten Medien mehr und positiver → trägt zur Popularität der Kandidaten / Kandidatinnen bei → schneiden bei Wahlen besser ab
    • romantische Partnerschaften
      • Ähnlichkeit der Attraktivität dominiert bei romantischen Beziehungen → nicht durch Zufall erklärbar
      • Beziehungsfortschritt in früher Phase des Kennenlernens gefördert wenn sich die Partner in der physischen Attraktivität ähnlich sind → Beziehungen auf Dauer stabiler
      • entscheidend ist die relative Attraktivität (Attraktivität der Partner zueinander) nicht die absolute Attraktivität (Attraktivität der Partner im Vergleich zu anderen Menschen außerhalb der Beziehung)

Interpersonale Attraktion

Interpersonale Attraktion

  • interpersonale Attraktion = affektive und kognitive Bewertung einer anderen Person
  • Determinanten der interpersonalen Attraktion (6 Perspektiven)
    • Kommunikation des Mögens
    • Ähnlichkeit
    • Ausgeglichenheit / Balance
    • Nähe / Mere Exposure
    • Perfektion / Missgeschick
    • Aktual-Selbst / Ideal-Selbst

positive Bewertung persönlicher Eigenschaften: der Effekt des Gemocht werdens

  • die Erfahrung des Gemocht-werdens steigert die interpersonale Attraktion
  • Rückmeldung des Gemocht-werdens steigert das das Selbstwertgefühl → positive Vertsärkung
  • Erfahrung von Kritik bedroht Selbstwertgefühl → negative Verstärkung

Ähnlichkeit oder Gegensätzlichkeit

  • Ähnlichkeit kann sich auf Einstellungen, Werte, sozioökonomische Merkmale und Persönlichkeitsmerkmale beziehen
  • Zusammenhang zwischen Ähnlichkeit und Attraktion ist positiv und linear
  • Proportion ähnlicher Einstellungen stellt die entscheidende Determinante der interpersonalen Attraktion dar
  • Verstärkungs-Affekt-Modell der Attraktion
    • Reize die als Verstärker fungieren, können als unkonditionierter Stimulus (US) für eine implizite affektive Reaktion dienen; die implizite affektive Reaktion variiert zwischen den Polen angenehm und unangenehm
    • jede Person, die mit dem Auftreten des US räumlich / zeitlich assoziiert ist, kann die Eigenschaft eines bedingten Stimulus (CS) erwerben
    • die implizite affektive Reaktion färbt die bewertende Reaktion auf den CS, die bedingte Reaktion; wenn die implizite Reaktion angenehm ist, wird der CS positiv bewertet, ist sie unangenehm, wird der CS negativ bewertet
    • bewertende Reaktionen umfassen:
      • Einschätzungen des Mögens
      • Annäherungs-/ Vermeidungsreaktion
      • Präferenzurteile (z.b. Bildung von Rangreihen)
    • wird die andere Person mit positiven Erfahrungen assoziiert, wird sie gemocht; wird sie mit negativen Erfahrungen assoziiert, wird sie nicht gemocht
    • damit eine solche assoziative Verknüpfung zustande kommt, ist es nicht erforderlich, dass die andere Person der tatsächliche Urheber der Kommunikation ist
    • eine Implikation besteht darin, dass Einstellungen, die als Verstärker benutzt werden, von der zu bewertenden Person nicht als Urheber hervorgebracht werden müssen → ausreichend wenn solche Einstellungen nur vorgelesen oder in anderer Weise dargeboten werden, während die andere Person anwesend ist, so dass sie mit dem unkonditionierten Reiz assoziiert werden kann
    • Validierung des eigenen Standpunkts durch Zustimmung → Bestätigung der eigenen Meinung als befriedigend, Kritik als frustrierend erlebt
  • Ähnlichkeit in Persönlichkeitsmerkmalen
    • zwei Merkmale berücksichtigt:
      • Represser-Sensitizer (R-S) → bezieht sich auf die Suche nach und Verarbeitung von selbstbezogener Information
        • Represser → neigen dazu bedrohliche Informationen zu vermeiden und Konflikte zu verdrängen
        • Sensitizer → wenden sich aufmerksam potentiellen Bedrohungen zu, halten sich für leicht verletzbar, sind eher ängstlich
      • Bindungsstile
        • sichere Bindung → Vertrauen und Streben nach Nähe
        • ängstlich-ambivalente Bindung → Annäherungs- / Vermeidungskonflikt → suchen Nähe, die bei ihnen Angst auslöst
        • gleichgültig-vermeidende Bindung → Personen schätzen den Wert der eigenen Unabhängigkeit hoch ein
        • ängstlich-vermeidende Bindung → Personen reagieren sowohl ängstlich als auch vermeidend auf andere Personen → Sorge in engen Beziehungen verletzt zu werden überwiegt
    • Ähnlichkeit im Persönlichkeitsmerkmal Represser-Sensitizer steigert das Mögen
    • Attraktion nimmt kontinuierlich mit der Ähnlichkeit zu
    • Personen schätzen ihren romantischen Partner als besonders attraktiv ein, wenn er den gleichen Bindungsstil wie sie selbst aufweist
    • Partner, die eine hohe Bindungssicherheit zeigten, wurden als besonders attraktiv eingeschätzt
    • Bindungsstile, die wenig Vermeidung beinhalten, rufen mehr Attraktion hervor als Bindungsstile mit hoher Vermeidungskomponente
    • Komplementarität (Gegensätzlichkeit) der Bindungsstile wirkt sich negativ aus
    • Ehepartner sind durch Übereinstimmung in einer Vielzahl von Merkmalen gekennzeichnet → soziale Schicht, Religiosität, Bildungsniveau, Intelligenz, Persönlichkeit, Werte; höchste Korrelation findet sich bei Werte und Autoritarismus
  • Gegenseitigkeit des Mögens
    • positive Bewertung persönlicher Eigenschaften wirkt stärker als Einstellungsähnlichkeit
    • Kongruitätsprinzip → Tendenz, die Gefühle anderer uns gegenüber übereinstimmend mit den eigenen Gefühlen wahrzunehmen
    • die Wahrnehmung, dass man vom Anderen gemocht wird, führt dazu dass man den Anderen mag
    • Attraktionspush durch i-sharing → das Selbst macht die subjektive Erfahrung, mit einer anderen Person etwas Besonderes zu teilen
    • i-sharing erhöht die interpersonale Attraktion unabhängig davon, ob die andere Person objektiv ähnlich oder unähnlich ist
    • geteilte subjektive Erfahrung ist eine Determinante des Mögens, die dazu beitragen kann, dass Differenzen aufgrund objektiver Unähnlichkeit zwischen zwei Personen überbrückt werden können
  • Rolle der Information und kognitive Schlussfolgerung
    • neben emotionalen Einflüssen spielt auch die Information eine wichitige Rolle
    • man unterstellt einer anderen Person eine hohe Ähnlichkeit wenn man sie mag, und eine geringe Ähnlichkeit wenn man sie nicht mag
    • man kann zwischen kognitiver und affektiver Bewertung unterscheiden

Balancetheorie: harmonische Systeme fördern die interpersonale Harmonie

  • die interpersonale Attraktion folgt einem Schema der Konsistenz → wird in der Balancetheorie dargestellt
  • auf Grundlage dieser Theorie werden die Relationen zwischen der Person (das Selbst), einer anderen Person und einem Einstellungsobjekt (Entität) betrachtet, die eine Triade bilden
  • die drei Elemente einer Triade können in einer balancierten oder einer unbalancierten Beziehung zueinander stehen
  • Triaden in denen das Selbst die andere Person mag und beide eine ähnliche Einstellung haben, sind balanciert
  • wird die andere Person nicht gemocht und es liegt eine Einstellungsähnlichkeit vor, besteht ebenfalls Balance
  • Triaden, in denen das Selbst die andere Person mag und in denen eine Einstellungsunähnlichkeit (positive Einstellung vs. negative Einstellung) vorliegt, sind unausgeglichen
  • balancierte Strukturen werden als angenehmer empfunden als unbalancierte

Nähe und Häufigkeit des Zusammentreffens

  • Untersuchung zum Einfluss der räumlichen Nähe
    • Nähe stellt eine direkte Determinante der Attraktion dar → wird in ihrer Häufigkeit oft unterschätzt
  • Mere-exposure-Phänomen
    • wiederholte Wahrnehmung einer Person steigert das Mögen ihr gegenüber
    • Effekt ist weitgehend unabhängig von einer bewussten Urteilsbildung, tritt verdeckt auf und weist große Regelmäßigkeit auf
    • mere-exposure-effect → ein ursprünglich neutraler oder positiver Reiz wird aufgrund seiner wiederholten Darbietung positiv bzw. positiver bewertet → tritt nicht auf wenn die Person anfangs negativ bewertet wird
  • mere-exposure in Gruppen
    • mere-exposure-Phänomen hat für erfolgreiche Gruppenbildung große Bedeutung
    • Effekt wird verstärkt wenn es zu harmonischen und kooperativen Gruppenaktivitäten kommt → unterminiert wenn die Gruppenaktivitäten durch Feindseligkeiten oder Disharmonien gekennzeichnet sind
    • mere-exposure-effect setzt keine direkte Interaktion zwischen den Anwesenden Personen voraus

Perfektion und Attraktion

  • perfekte Menschen können irritierend wirken → Bewusstwerden der eigenen Unvollkommenheit → Gefahr dass perfekte Menschen auf einen selbst herabblicken, wenn sie diese Unvollkommenheiten erkennen
  • ein Fehler kann unter bestimmten Umständen die interpersonale Attraktion erhöhen → durch kleine Fehler wird eine scheinbar perfekte Person dem Beurteiler näher gebracht → Vermenschlichung des Perfekten
  • kognitive und affektive Bewertung einer anderen Person müssen nicht immer übereinstimmen
  • kognitive Bewertung → spiegelt relativ objektiv die Qualität einer anderen Person wider
  • affektive Bewertung → irrationale Tendenz kommt zum Tragen wenn eine Selbstwertbedrohung zu verzeichnen ist
  • Auftreten der Selbstwertbedrohung hat etwas damit zu tun, dass wir uns selbst als unvollkommen wahrnehmen, wird uns Perfektion vorgelebt, fühlen wir uns in Frage gestellt
  • Perfektion ist bewundernswert, erscheint uns aber als wenig menschlich



Aktual-Selbst und Ideal-Selbst

  • Übereinstimmung mit dem Ideal-Selbst steigert die interpersonale Attraktion
    • sorgt ein Partner dafür, dass sich der andere Partner in Richtung seines Ideal-Selbst weiter entwickeln kann, steigert das sein persönliches und partnerschaftliches Glück
    • Partnerschaft trägt dann dazu bei, dass sich eine Person im Sinne ihrer besten Wunschvorstellungen entwickeln kann
  • Selbstwertbedrohung durch außergewöhnliche Personen?
    • Effekt eines Fehlers auf die Bewertung außergewöhnlicher Menschen kann darauf zurück geführt werden, dass der Beobachter nicht mehr befürchten muss, negativ bewertet zu werden → Selbstwertbedrohung entfällt
    • außergewöhnliche Menschen werden bewundert aber nicht gemocht
    • eine Person, die das eigene Ideal übertrifft wird als selbstwertbedrohlich wahrgenommen
    • je größer die Selbstwertbedrohung eingeschätzt wird, desto negativer fällt die affektive Bewertung aus
    • Skepsis gegenüber einer anderen Person mit außergewöhnlich positiven Eigenschaften setzt sich dann durch wenn der Beurteiler hoch involviert ist und der soziale Vergleich mit der anderen Person persönlich relevant erscheint → Konstellationen in denen es einem besonders wichtig ist, selbst gut abzuschneiden

tirsdag 23. august 2016

Das Streben nach Kontrolle

Das Streben nach Kontrolle

  • Definition Kontrolle
    wenn Menschen davon überzeugt sind, gewünschte Ereignisse herbeiführen zu können und unerwünschte Ereignisse meiden zu können, nehmen sie Kontrolle wahr
  • Menschen streben danach Kontrolle über ihre Umwelt auszuüben
  • ein Mangel an Kontrolle kann zu schwerwiegenden sozialen, psychischen und physischen Defiziten führen

Kontrolle und Kontrollmotivation

  • Kontrolle
    • Kontrolle als die Wahrnehmung von Kontingenzen (Zusammenhängen) zwischen eigenem Verhalten und dessen Ergebnissen
    • bei fehlender Kontingenz sollte das Ergebnis als unkontrollierbar gehalten werden
    • nicht die tatsächliche Kontrolle ist psychologisch bedeutsam sondern die Wahrnehmung von Kontrolle
    • Kontrolle als die wahrgenommene Möglichkeit, die Aversivität eines Ereignisses durch die eigene Reaktion vermindern zu können → verschiedene Arten von Kontrolle:
      • Verhaltenskontrolle → Ereignis kann tatsächlich beeinflusst werden
      • Informationskontrolle → Ereignis ist vorhersehbar
      • kognitive Kontrolle → Ereignis oder die eigenen Ziele können uminterpretiert werden
      • retrospektive Kontrolle → Ereignis kann erklärt werden
    • zur Einordnung unterschiedlicher Kontrollbegriffe wird zwischen Agenten, Mitteln und Ergebnissen von Kontrolle unterschieden
      • Agent-Ergebnis-Kontrolle → Kontrolle kann darin bestehen dass Personen wahrnehmen Ergebnisse herbeiführen oder verhindern zu können
      • Agent-Mittel-Kontrolle → Kontrollerwartungen beziehen sich auf die Beziehung zwischen Agenten und Mitteln
      • Mittel-Ergebnis-Kontrolle → bezieht sich auf die Beziehung zwischen Mitteln und Ergebnissen
    • Theorie der kognizierten Kontrolle → ist ein integratives Kontrollkonzept, das Ausmaß von Kontrollempfinden ergibt sich aus der wahrgenommenen Erklärbarkeit, Vorhersehbarkeit und Beeinflussbarkeit von Ereignissen. Gefühle von Kontrollmangel und -verlust entstehen bei geringer Ausprägung dieser Wahrnehmung
    • zur Kontrolle verwandte Begriffe:
      • Self-efficiancy (Selbstwirksamkeit) → ursprünglich zur Beschreibung der Agent-Mittel-Kontrolle eingeführt
      • Selbstkontrolle → Ausmaß in dem eine Person Einfluss auf das eigene Verhalten und Denken nehmen kann, tatsächlich ausgeführte Selbstkontrolle beansprucht psychische Ressourcen wodurch nachfolgende Versuche der Selbstkontrolle erschwert werden (ego-depletion)
      • Macht → Personen(gruppen) können Verhalten oder Verhaltensergebnisse anderer Personen(gruppen) beeinflussen, Macht beeinflusst die Beziehung zwischen Individuen und Gruppen, kann sich aber auch auf individuelle Informationsverarbeitung und Strategien der Zielerreichung auswirken
      • soziale Kontrolle → soziologischer / kriminologischer Begriff, der beschreibt, in welchem Ausmaß Individuen der Kontrolle ihrer Gruppe oder der Gesellschaft unterliegen
  • Kontrollmotivation
    • Streben nach wahrgenommener Kontrolle als psychologisches Grundbedürfnis → Effizienzmotivation → sich selbst als Verursacher von Veränderungen und Handlungen in der Umwelt erleben
    • Theorie der Selbstbestimmung (self determination theory) → geht davon aus, dass Menschen angeborene Grundbedürfnisse nach Autonomie und Kompetenz sowie Zugehörigkeit besitzen
    • wenn die Verhaltensumwelt von Menschen autonome Entscheidungen und die Erfahrung eigener Kompetenz zulässt, sind nicht nur Motivationsstärke, Leistung und Wohlbefinden erhöht, sondern es zeigen sich auch qualitative Veränderungen in Richtung erhöhter intrinsischer (statt extrinsischer) Motivation
    • Empirische Hinweise auf Kontrollmotivation → Studien zeigen, dass fehlende Kontrolle zu psychischen Anpassungsproblemen und zu vermindertem seelischem Wohlbefinden führen kann
    • Illusorische Kontrolle → Personen halten in objektiv unkontrollierbaren Situationen Kontrolle für möglich
    • fundamentaler Attributionsfehler / Korrespondenzverzerrung → im Akteur liegende dispositionale Ursachen werden als in der jeweiligen Situation liegende Ursachen für das Auftreten spezifischer Verhaltensweisen verantwortlich gemacht → diese Zuschreibungen können die wahrgenommene Vorhersagbarkeit des Verhaltens anderer und damit dessen angenommene Kontrollierbarkeit erhöhen
    • auch Befunde zur Schuldzuschreibung gegenüber Opfern von Unglücksfällen in Folge erhöhten „gerechte-Welt-Glaubens“ können durch die Existenz des Kontrollmotivs erklärt werden
    • Verzicht auf Kontrolle:
      • wenn dadurch ein gewünschter Situationsausgang eher wahrscheinlich wird
      • wenn auszuführende Handlung als irrelevant für Ausgang einer Situation angesehen wird
      • wenn negatives Ergebnis einer eigenen Handlung zu erwarten ist
      • retrospektiv wird Kontrolle abgestritten wenn Personen mit negativem Verhalten konfrontiert werden → Aufrechterhaltung des Selbstbildes
    • es existieren interindividuelle und interkulturelle Unterschiede bei Kontrollbedürfnissen und Kontrollwahrnehmung
    • Locus of Control: Wahrnehmung darüber ob der Ort von dem die Kontrolle ausgeht innerhalb oder außerhalb der eigenen Person angesiedelt ist → intern / extern; Messung mit IPC-Skalen
    • Disjoint agency → Kontrolle geht vom Individuum aus, Handlungserfolg ist in persönlichen Eigenschaften begründet
    • conjoint agency → Kontrolle als gemeinschaftliches Phänomen, Handlungserfolg als Gesamtprodukt von Person und sozialem Kontext
    • kulturelle Einflüsse auf die Bedeutsamkeit individueller Kontrolle:
      • Kontrolle soll in individualistischen ebenso wie in kollektivistischen Kulturen vom eigenen Selbst ausgehen
      • das Selbst ist in individualistischen Kulturen mehr personal definiert, in kollektivistischen Kulturen stärker sozial definiert
  • Wege zur Kontrolle
    • primäre Kontrollstrategien → direkte Beeinflussung einer Umweltsituation → Herbeiführung von Veränderungen in der Umwelt
    • sekundäre Kontrollstrategien → indirekte Strategien der kognitiven Umstrukturierung, dienen der Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung von Kontrollwahrnehmungen → Veränderungen innerhalb der Person
      • Suche nach Informationen über Verhaltenskontingenzen (predictive control)
      • Versuche das Glück auf seine Seite zu ziehen (z.b. durch Rituale; illusory control)
      • Übertragung von Kontrolle auf stellvertretende Kontrollagenten, wie mächtige andere und Identifikation mit ihnen (vicarious control)
      • Bemühung einer Situation primären Kontrollmangels Sinn zuzuschreiben (z.b. Leid als Prüfung; interpretative control)
    • Strategien sekundärer Kontrolle:
      • Suche nach inhaltlicher und zeitlicher Vorhersehbarkeit zur besseren Adaption an zukünftige Ereignisse
      • Retrospektive Suche nach Erklärungen für den Grund des Kontrollverlustes
      • kognitive Umstrukturierung
    • wesentliches Ziel sekundärer Kontrollstrategien
      Kontrollwahrnehmungen auch in Situationen eingeschränkter primärer Kontrolle aufrechtzuerhalten
      Wiederherstellung von Kontrolle
      ermöglichen Auswahl der zu verfolgenden Ziele und die Organisation des notwendigerweise selektiven Einsatzes primärer Kontrolle
    • Determinanten wahrgenommener Kontrolle
      • primäre Kontrolle durch Beeinflussbarkeit
      • sekundäre Kontrolle durch Kognition
        • Vorhersagbarkeit
        • Erklärbarkeit
        • kognitive Strukturierung der Kontrollsituation
      Herbeiführung positiver Ereignisse oder Abmilderung oder Verhinderung negativer Ereignisse
    • Vorhersehbarkeit hat vor allem dann positive Effekte auf den Umgang mit unkontrollierbaren Stressoren wenn zugleich Bewältigungsstrategien gesehen werden
    • vier wesentliche Quellen wahrgenommener Kontrolle:
      • Beeinflussbarkeit
      • Vorhersagbarkeit
      • Erklärbarkeit
      • kognitive Flexibilität in der Strukturierung von Kontrollsituationen




Konsequenzen von Kontrolle und Kontrollverlust

  • Auswirkungen primärer Kontrolle
    • Vorhandensein von Kontrolle im Alltagshandeln oft nicht bewusst erlebt
    • erst Einschränkung von Kontrolle löst kontrollbezogene Kognitionen aus
    • Ausnahme sind Situationen in denen Menschen mit aversiven Ereignissen oder Anforderungen konfrontiert sind
    • wahrgenommene Kontrollmöglichkeiten als wertvolle Ressource zum Umgang mit diesen Anforderungen → bestimmen das Erleben und Verhalten des Individuums
  • Kontrolle und der Umgang mit Stress und Bedrohung
    • Erleben von Stress und Bedrohung hängt in hohem Maße davon ab ob Personen Kontrolle im Umgang mit den wahrgenommenen Anforderungen erleben
    • biopsychosoziales Modell der Bedrohung
      • Herausforderung → Situationen in denen einer Anforderung hinreichende persönliche Möglichkeiten zum effektiven Umgang mit dieser Anforderung gegenüberstehen
      • Bedrohung → persönliche Möglichkeiten zum effektiven Umgang mit den Anforderungen fehlen aus Sicht der handelnden Person
      bei beiden erhöhte Herzaktivität, bei Herausforderung aber peripherer Widerstand gesenkt → bessere Durchblutung → Leistungsfähigkeit größer
    • coping = Umgang mit potentiellen Bedrohungs- und Stresssituationen
    • coping-Prozess als Abfolge kognitiver Bewertungen (appraisals) und Neubewertungen, die eintreten wenn sich Menschen mit Anforderungssituationen konfrontiert sehen
    • appraisal = kognitive Einschätzung einer Stresssituation
      • primäre Appraisals
        • erste unmittelbare Bewertung von Zuständen der Umwelt in denen Personen einschätzen welche Bedeutung eine aktuelle Situation für ihre persönlichen Ziele, Zielhierarchien und persönlichen Denkweisen besitzt
        • Einschätzung des bereits eigetretenen, des antizipierten Schadens (Bedrohung) und Einschätzung welche Bewältigungsmöglichkeiten / mögliche Vorteile mit der Situation verbunden sind
      • sekundäre Appraisals
        • Personen schätzen ein ob sie selbst zu Handlungen in der Lage sind, die den Konflikt reduzieren können und wenn ja wie Erfolg versprechend die eigenen Handlungsoptionen sind
      • ein sekundäres appraisal kann auch vor einem primären appraisal erfolgen → kann bestimmen welche Relevanz der Situation beigemessen wird
    • problemfokussiertes coping zielt auf Veränderung der konfliktreichen Situation ab
    • emotionsfokussiertes coping zielt auf Regulation negativer Emotionen ab
    • Art und Ausmaß der coping Versuche werden von primären und sekundären appraisals einer Person bestimmt, da diese Auskunft darüber geben, wie wichtig das Ereignis und damit die Veränderung der Situation überhaupt ist und ob und welche Handlungsmöglichkeiten für die Person bestehen
    • solange eine konfliktreiche Situation besteht, sollte ein Wechselspiel von Copinversuchen und Neubewertung stattfinden
    • ob die Bewältigung von Stress erfolgreich ist, zeigen kurzfristige als auch längerfristige Auswirkungen
  • Folgen von Kontrollverlust
    • Kontrollverlust → wahrgenommener Kontrollmangel trotz ursprünglich bestehender Kontrollerwartungen
    • Menschen versuchen zunächst primäre oder sekundäre Kontrolle wieder herzustellen
    • Kontrolldeprivation kann eine sorgfältigere und akkuratere Informationsverarbeitung zur Folge haben
    • erscheint eine Wiederherstellung von Kontrollwahrnehmung schwierig oder gar unmöglich, können kontrolldeprivierte Personen resignieren → Symptome von erlernter Hilflosigkeit
      • Reduktion aktueller Kontrollmotivation
      • kognitive Einschränkungen beim Erkennen tatsächlicher Kontingenzen
      • negative Emotionen wie Furcht bei andauerndem Kontrollmangel → kann in Depression übergehen
      • reduzierte Gründlichkeit in der Informationsverarbeitung
  • Reaktanz und Hilflosigkeit
    • Theorie der psychologischen Reaktanz
      • postuliert dass Personen nach Bedrohung oder Einschränkung von Handlungsfreiheiten motiviert sind den ursprünglichen Zustand von Freiheit wiederherzustellen
      • Einschränkung der Handlungsfreiheit ruft in er Person eine motivationale Erregung hervor → psychologische Reaktanz
      • Ausmaß an emotionaler Erregung bzw. Stärke der Reaktanz ist abhängig vom Umfang des Freiheitsverlustes und der Stärke sowie der Wichtigkeit der eingeengten Freiheit
    • Personen werden durch soziale Einflussnahme oder Barrieren eingeengt
    • Reaktanz kann durch direkte Wiederherstellung der Freiheit reduziert werden → am effektivsten
    • eliminierte Freiheit indirekt wiederherstellen → weitere Möglichkeit zur Reaktanzverminderung
    • ist keine direkte oder indirekte Wiederherstellung der möglich, kann die entstandene Reaktanz durch aggressives Verhalten oder Attraktivitätsveränderung reduziert werden
    • auf Basis der Reaktanztheorie wird angenommen, dass Personen nach Kontrollverlust durch Bedrohung oder Einschränkung von Handlungsfreiheiten aktiv versuchen Kontrolle wieder zu erlangen
    • im Rahmen der Theorie der erlernten Hilflosigkeit wird angenommen dass Personen mit passiver Hilflosigkeit reagieren, wenn sie mit einem Kontrollverlust konfrontiert werden
    • passive Reaktion sollte auftreten wenn eine Person eine Situation stabilen (nicht veränderbaren), internalen (in der eigenen Person begründeten) sowie globalen (generalisierbaren) Faktoren zuschreibt
    • Kontrollverlust von geringem Ausmaß und kurzer Dauer führt zu Reaktanz bzw. dem aktiven Bemühen Kontrolle wieder zu erlangen
    • längere Unbeeinflussbarkeit bewirkt das Aufgeben von Kontrollerwartungen und daher auch das Erlöschen der Reaktanzmotivation → als Folge darauf reagieren Personen mit Aggressivität


Kontrolle als soziales Phänomen

  • soziale Prozesse bestimmen mit darüber, ob Menschen in einer Situation Kontrolle wahrnehmen oder sich diese wünschen
  • aktuelle Kontrollwahrnehmungen und -bedürfnisse haben Einfluss darauf, wie Menschen mit ihrer sozialen Umwelt interagieren
  • Kontrolle kann auf individueller und kollektiver Ebene erlebt werden und so nicht nur individuelles, sondern auch kollektives Verhalten beeinflussen
  • Kontrolle als Folge sozialer Prozesse
    • in der Regel besitzen Mehrheitsgruppen mehr soziale Macht und damit kollektive Kontrolle als Minderheitsgruppen
    • in Situationen, in denen sie an ihren Mehrheitsstatus durch die Anwesenheit einer Minderheit erinnert werden, könnte sich dies positiv auf ihre Erwartungen auswirken, die Dinge vorhersehen und bestimmen zu können
    • eine tiefere Informationsverarbeitung in der Minderheitsgruppe kann als Folge wahrgenommenen Kontrollmangels verstanden werden
    • Kontrollwahrnehmung gilt als wichtige psychologische Ressource im Umgang mit Arbeitslosigkeit → längerfristig Arbeitslose (mehr als 6 Monate) neigen eher dazu Ereignisse als außerhalb ihrer persönlichen Kontrolle wahrzunehmen, ein niedriges Ausmaß an situativ wahrgenommener Kontrolle über die Wiedereinstellung bei Arbeitslosen wirkt sich negativ auf deren psychische Gesundheit aus → Gefahr eines Teufelskreises, da eine schlechte psychische Gesundheit wiederum das Vermögen von arbeitslosen Personen verringert, ihre Umwelt aktiv zu gestalten → beeinträchtigt Aktivitäten bei der Arbeitssuche und reduziert somit die Wiedereinstellungschancen
    • arbeitslose Personen mit hohen internalen Kontrollüberzeugungen weisen weniger psychische Krankheitssymptome auf und berichten über weniger Angst und Depression und weisen höheren Selbstwert und höhere Lebenszufriedenheit auf als Personen mit externalen Kontrollüberzeugungen
  • Auswirkungen von Kontrolle auf soziale Prozesse
    • individuelle Kontrollwahrnehmungen werden nicht nur durch soziale Prozesse beeinflusst, sondern wirken auch auf diese zurück
    • wahrgenommene Verhaltenskontrolle = Wahrnehmung ein spezifisches Verhalten in einer bestimmten Situation ausführen zu können
    • je höher die wahrgenommene Verhaltenskontrolle, desto stärker die Verhaltensintention
    • auch die individuelle Kontrollmotivation kann soziale Prozesse beeinflussen
    • negative affektive Auswirkungen terroristischer Bedrohung können durch Kontrollwahrnehmungen verringert werden
  • kollektive Kontrolle
    • kollektive Kontrollwahrnehmungen liegen dann vor, wenn einer eigenen sozialen Gruppe Kontrolle über ihre Umwelt zugeschrieben wird → ist unabhängig davon ob persönliche Kontrolle empfunden wird
    • die Beteiligung an kollektiven Aktionen hängt in entscheidendem Maße von Wahrnehmungen kollektiver Kontrolle ab
    • kollektive Kontrollwahrnehmungen spielen dabei als Prädiktoren eine ebenso große Rolle wie die Wahrnehmungen kollektiver Ungerechtigkeiten und der Identifikation mit der jeweiligen sozialen Bewegung
    • Betonung von Gruppenmitgliedschaft als Strategie im Umgang mit Wahrnehmungen generalisierten Kontrollmangels → Gruppen kann dabei die Rolle von Agenten stellvertretender Kontrolle zukommen → Wahrnehmungen individuellen Kontrollmangels symbolisch kompensiert, Wiederherstellung generalisierter Kontrollwahrnehmungen